Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 294)
- Language
- German
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storbenen, das sich im Archive der Prager isr. Beerdigungs-Brüdersehaft befindet und 2965 Namen enthält, wird der Name des R. Simon angeführt. Er fand auf dem alten Prager Judenfriedhof seine letzte Ruhestätte, wo ihm ein herrliches Grabdenkmal gesetzt wurde. Seine Grabinschrift kündet die Größe seiner Gelehrsamkeit und seiner Frömmigkeit und bezeichnet ihn als „Unser heiliger Rabbi, der einzig war in seinem Zeitalter, dessen Gestalt einem Engel Gottes glich". Die Grabinschrift an der unteren Südwand weist auch in vier Zeilen auf den fürchterlichen Verleumdungsprozeß hin, der ihm soviel Leid verursachte und während dessen ihm seine vielen Manuskripte gestohlen und zerrissen wurden. Dieser Prozeß ist auch — sicherlich ein einzelner Fall auf einem alten jüdischen Grabsteine — daselbst bildlich45 dargestellt. In kunstvollen schönen Basreliefs sind die Hauptpersonen des Prozesses ausgeführt. Auf der rechten Seite der Rabbi im Brustbilde mit langem Barte, Hauptlocken und dem üblichen Judenbarett auf dem Kopfe, hält ein Gebetbuch in Händen. (Vergleiche die beiliegende Abbildung.) Auf der linken Seite befindet sich das Brustbild eines Mannes in Amtstracht mit einer Rolle, die Anklageschrift oder den Freibrief, in Händen, das scheinbar den Altstädter Richter darstellt. Auf der anderen Seite (zu Füßen) befindet sich die Gestalt eines wilden Schützen mit einem Pfeile in der Hand, gegenüber ist der Bogen, eine Darstellung des Denunzianten, während die trügerischen Zeugen durch sechs verschiedene Tiere versinnbildlicht sind: ein auf seine Beute sich stürzender Tiger, ein listiger Fuchs, ein Adler, ein Löwe, ein laufender Hirsch und ein sich bäumendes Pferd. Daß dieser Prozeß auf seinem Sarkophag auch in Bildern dargestellt wurde, zeigt, daß er das größte Unglück und das traurigste Merkmal im Leben unseres großen Rabbi bildete. Nichts aber könnte uns seine Unschuld besser beweisen, als daß ihn die Grabschrift als „Gottesmann" bezeichnet. « Während der Drucklegung der vorliegenden Arbeit stellte uns Herr Prof. Dr. Salomon Hugo Lieben in freundlichster Weise die folgende Übersetzung der Grabinschrift zur Verfügung, wofür ihm hier der Dank ausgesprochen sei. Zum Verständnis der Inschrift ist zu beachten, daß sich die meisten Ausdrücke auf biblische und talmudische Aussprüche und Redensarten beziehen, und daß sich die Inschrift auf den sechs Steinen des Sarkophages befindet und die Inschrift jedes einzelnen Steines einen ziemlich abgeschlossenen Inhalt hat, weswegen einzelne Wiederholungen unvermeidlich sind. Natürlich kommen die vielfachen Akrostichone in der Übersetzung nicht zum Ausdrucke. 284 32