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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1932-01-01 · 4 (1932) · page 286

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
4 (1932)
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 286)
Language
German
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IRI
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Er hat persönlich durch Geld und Überredungskunst die jüdischen Zeugen gewonnen, die dem Oberrabbiner ohnehin seinen Reichtum nicht gönnten. Winbersky verschleppte auch die Bücher und Handschriften des R. Simon, die dann vernichtet wurden; so hat er es verschuldet, daß die geistigen Schätze des Oberrabbiners der Nachwelt nicht erhalten geblieben sind. Auch andere Juden versuchte er geschäftlich zu schädigen und ihnen, wo es nur ging, ein Leid zuzufügen. Zur Illustration seien nur einige Fälle angeführt. Beer Mayer, ein Wiener Jude, beklagte sich, Winbersky hätte ihn blutig geschlagen; in Löbl Glattauers Haus drang er ein und ließ es versiegeln. Michel Wiener, den höchsten Kontribuenten, behinderte er in seinem Inspektoramt auf dem Tandelmarkte und beschimpfte ihn. Er kaufte veraltete, nicht einlösbare Schuldscheine und ließ die Schuldner in den Kerker werfen, über solche Fälle beschwerten sich: Joachim Toders, Chaie Cantorin und Libermann Garkücher. Winbersky und seine Frau beschuldigten den Benesch Kauder und die Frau des Wolf Pardubitz-Wagenniacher, daß sie vor einem Kreuze ausgespuckt hätten. Winbersky drang einmal in die Synagoge ein, wo die Kassa stand, und bedrohte den Buchhalter Salomon Satan. Bei all diesen Sachen war ihm der Altst. Richter ein williges Werkzeug. Die Judenältesten beschwerten sich wiederholt bei der Statthalterei über diese Gewalttätigkeiten. Diese erteilte dem Winbersky auch wiederholt Verweise und drohte ihm mit Arrest. Er fühlte sich aber über die Juden hoch erhaben. Er antwortete auf diese Anschuldigungen, daß ihn „die verfluchten Juden" nur anklagen, „weil ich ihren halben Gott, den jüdischen Oberrabbiner, seines schweren Verbrechens denunziert habe". Die Juden nennt er „dieses betrügerische Volk", sich nennt er dagegen „einen neueingetretenen ehrlichen und standhaften Christen und Erb des Himmels". Hinter seinem Namen schreibt er stets „Bürger der Alten Stadt Pragu, er wird aber von Christ wie Jude immer nur als „der getaufte Jude" bezeichnet. Plötzlich geschah etwas Unerwartetes. Wenzel Winbersky wurde am 28. oder 29. Dezember 1666 auf der Gasse von einer Kugel durchbohrt tot aufgefunden. Von den Tätern fehlte jede Spur. Der Verdacht der Täterschaft richtete sich natürlich sofort auf die Juden. Die Befürchtung lag nahe, daß der gegen die Juden ohnehin aufgebrachte Pöbel die Judenstadt überfallen werde. Die Judenältesten wandten sich am 30. Dezember an die Statthalter, sie in dieser höchsten Gefahr vor dem Pöbel zu schützen. Noch am gleichen Tage erließen die Statthalter an die Hauptleute der drei Prager Städte einen Befehl, dafür zu sorgen, daß die Juden „frei, sicher und unangefochten handeln, wandeln und 276 24

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