Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 278)
- Language
- German
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als seine Verleumdung so große Folgen hatte, im Mittelpunkte alles Geschehens und ging mit den Pragern und Landjuden wie ein Gebieter um. Aron Brandeis, einer der Zeugen, trat im Oktober 1664 zum Christentum über und erhielt den Namen Christof. Der ränkesüchtigste von allen Zeugen war aber Nathan Schneider, der Sohn des ebenfalls als Zeuge fungierenden Jeremias Woplatka Sacerdoth, der auch Notl Schneider genannt wurde. Schon im Jahre 1658 führen die jüdischen Schneider bei der Statthalterei Klage gegen ihn, weil er sich „zu einem Ältesten Schneider aufgeworfen" und ihnen gegen ihre Polizeiordnung Neuerungen aufbürden wollte. Notl Schneider, ein notorischer Dieb, war schon wiederholt eingesperrt gewesen, und jetzt überall dort zu finden, wo man gegen den Oberrabbiner Böses plante. Auch er suchte im Jahre 1667 in der katholischen Kirche sein Heil. Der Altst. Richter Maximilian de Cara hatte sich den Juden gegenüber stets feindlich benommen. Seine Stellung im Prozesse war von seiner Judenfeindschaft und auch von der Hoffnung auf einen Anteil an den erwarteten Strafgeldern diktiert. Das von der Kommission verlangte corpus delicti glaubte der Denunziant auf dem „Prager Juden Kirchhof" zu finden. Mittwoch, den 1. Oktober 1664 kam daher Winbersky mit dem Richter zum Monatsinspektor Löbl Winternitz, durchstöberten sein ganzes Haus, nahmen Bücher und „Kirchhof-Sachen" aus der Kassa, durchwühlten und zerbrachen den Tisch und versiegelten die Wohnung. Am nächsten Tage kamen sie wieder, suchten und verlangten abermals Bücher, gingen in das Zimmer der Kirch- und Friedhofsdiener, „wo niemals das Stadtgericht dahin gehen durfte". Winbersky drohte dem jüdischen Inspektor mit Arrest, wenn er nicht alles herausgebe. „Die Inspektoren auf dem Prager Juden Kirchhof" beschwerten sich bei der böhm. Kammer gegen diese Gewalttätigkeiten, worauf die Statthalterei den Altst. Richter beauftragte, die Sache zu untersuchen und dem Wenzel Winbersky jede Eigenmächtigkeit zu untersagen. tn der Prager Judenstadt hatte die Verhaftung des verehrten Rabbi große Bestürzung erregt und der Sturm der Entrüstung richtete sich gegen die jüdischen Zeugen, die sich für schnödes Geld zu solch entsetzlicher Verleumdung hatten gebrauchen lassen. Es darf daher nicht wundernehmen, wenn die neugewonnenen Zeugen Nathan Jeremias Schneider und Joachim Tillis (trotzdem der Altst. Richter am Samstag vormittag in der Synagoge verkündet hatte, daß den Zeugen kein Leid zugefügt werden dürfe) am gleichen Abend von drei Juden in der Synagoge durchgeprügelt wurden. Der Richter und sein Adjunkt eilten sofort in die Judenstadt und wollten die drei Juden verhaften, doch die Judenältesten wollten sie nicht ausliefern. Erst als der Richter 16