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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1932-01-01 · 4 (1932) · page 264

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
4 (1932)
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 264)
Language
German
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IRI
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I. Wahl und Bestätigung zum Oberrabbiner.7 Die soziale und geistige Struktur der Prager Judenschaft hat im Laufe des Dreißigjährigen Krieges eine starke Erschütterung erfahren. Die Aufteilung der hohen Kontributionen lag in Händen der Judenältesten. Daher kam es anläßlich der Besetzung der Ehrenämter in der Gemeinde zu heftigen Streitigkeiten und Kämpfen,8 die zu schlichten selbst die höchsten Staatsbehörden außerstande waren. Der Verfall des Gemeindelebens trat auch darin zutage, daß die früher aufs genaueste beobachteten Religionsgesetze vernachlässigt und jede persönliche Autorität mißachtet wurde. Schuld an diesen Erscheinungen trug nicht allein der langwierige Krieg, sondern auch der ständige Wechsel der Prager Oberrabbiner, die, als die höchste religiöse Autorität der Juden Prags und des böhmischen Landes, für die Aufrechterhaltung des Friedens in der Gemeinde und für die sittlich religiöse Lebensführung der Judenschaft zu sorgen hatten. Vom Jahre 1619 bis 1636 versahen zumindest vier Rabbiner dieses Amt; hiebei ist es sehr zweifelhaft, ob sie die hiefür notwendige Bestätigung des Kaisers erhalten hatten. Der Einfluß dieser nur kurze Zeit wirkenden Rabbiner auf die Prager Judenschaft kann nicht allzu groß gewesen sein. Als im Jahre 1639 die große Pest9 in Prag über dreitausend Juden, fast die Hälfte der Prager Judenschaft, hinweggerafft hatte, darunter „auch die vornehmsten und für die Vorstandsämter am ehesten geeignete Juden", erlosch zunächst der Parteihader und die Verbitterung in der Prager Judengemeinde. Der Gemeindevorstand entschloß sich nun, das Amt des Oberrabbiners mit einer bedeutenden Persönlichkeit zu besetzen. Einige anerkannte Größen aus fremden Ländern wurden hiezu berufen, lehnten jedoch „wegen des Kriegswesens in Böhmen" ab. Diese Ablehnung erfolgte aber wohl auch deshalb, weil die Stelle des Prager Oberrabbiners allzusehr exponiert war; durch seine Machtbefugnis wurde er ohne seinen Willen in die Streitigkeiten hineingezogen und war dadurch niederen Angriffen und Verleumdungen ausgesetzt, wie dies der Prozeß des Prager Rabbiners Lippmann Heller klar zeigte. Andererseits mußte auch die Prager Gemeinde in ihren dauernden finanziellen Bedrängnissen auf die Berufung so mancher geeigneter Persönlichkeit wegen der großen Reisekosten verzichten. Um 1640 beriefen die Judenältesten aus Wien den weithin bekannten Gelehrten R. Aron Simon Spira-Wedeies nach Prag. R. Simon Wedeies wurde zunächst nur als „Oberrabbiner über die jüdischen Studenten" und nach einiger Zeit zum „Oberrabbiner-Superintendanten" aufgenommen. Er wurde aber nicht zum Oberrabbiner der Prager 254 2

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