Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 247)
- Language
- German
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haben: „Der Rothschild steckt den Kaiser in die Tasche." Wie immer, hielten sich die Hetzer im Hintergrund, während der radaulustige Pöbel (meist jugendliche Personen) gegen die Juden losgelassen wurde. Es kam zu Zusammenrottungen und Exzessen gegen die Juden, die drei Tage lang (23. bis 25. Mai) sich wiederholten. Den Juden wurden die Fenster eingeschlagen, einige jüdische Studenten wurden überfallen und blutig geschlagen. Die Tochter des Kaufmannes Markus Fried, ein junges Mädchen, wurde in roher, „die Sittlichkeit verletzender Weise" insultiert und gegen die Juden überhaupt die schlimmsten Drohungen ausgestoßen, so daß keiner es wagte, seine Wohnung zu verlassen. Als zwei jugendliche Exzedenten von der Polizei verhaftet wurden, erzwang ein zirka hundert Personen zählender Volkshaufen deren Freilassung. Schließlich wurde die Ruhe wieder hergestellt und eine strenge Untersuchung gegen die Exzedenten sowie auch gegen Dr. Hamburger und Morawetz wegen des Verbrechens des Hochverrats und der Majestätsbeleidigung eingeleitet. Zur Rechtfertigung der Ausschreitungen wurde erst während der Untersuchung behauptet, daß die Juden die Bevölkerung durch Thesaurierungen gereizt hätten. Der Jude Kreidl soll ein großes Quantum Silbermünzen „in Absicht der Agiotage" nach Wien geschickt haben, der Jude Feigl soll 165 Zentner Salz zu Spekulationszwecken gekauft haben, obwohl er zum Salzhandel keine Konzession hatte. Das war jedoch ein leeres Gerede, es konnte ihnen nichts nachgewiesen werden. Auch die Untersuchung gegen Dr. Hamburger und Morawetz hatte kein Resultat ergeben, wie dies daraus hervorgeht, daß am 20. September, vier Monate nach Eröffnung der Untersuchung gegen Dr. Hamburger und Morawetz, eine neue Untersuchung gegen unbekannte Täter aus der Neuhauser Jugenschaft eröffnet werden mußte,189 weil den obigen Personen keine landesverräterische Äußerung nachgewiesen werden konnte, deren sie sich auch sicherlich nicht schuldig gemacht hatten. Nach Ablauf von drei Jahren wurde die Neuhauser Judenschaft abermals durch feindselige Hetze von unbekannter Seite beunruhigt. Aus einem Berichte des Neuhauser Wirtschaftsamtes an den Grafen Czernin vom 19. November 1862 erfahren wir, daß in diesem Jahre die ruhige Bürgerschaft der Stadt Neuhaus durch anonyme Briefe in Schrecken versetzt und veranlaßt wurde, durch längere Zeit Nachtwache zu halten. Die Drohbriefe waren gegen die Hausbesitzer gerichtet, welche an Juden Wohnungen vermietet hatten, wodurch angeblich den Christen der Mietzins verteuert wurde. Es wurde gedroht, daß ihnen die Häuser in Brand gesteckt werden, wenn sie den Juden die Wohnungen nicht bis Ende März 1863 kündigen würden. Die gegen unbekannte Täter eingeleitete strafgerichtliche Untersuchung blieb er- 55 237