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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1932-01-01 · 4 (1932) · page 248

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
4 (1932)
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 248)
Language
German
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IRI
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gebnislos. Als dann längere Zeit keine Drohbriefe gefunden wurden, konnte die bürgerliche Nachtwache aufgelassen werden. Der Bericht schließt mit den Worten: „... Das ganze scheint sich auf eine leere Drohung zu reduzieren, aber bedenklich bleibt die überhandnehmende Niederlassung der Juden in den Städten immer." Diese Worte zeigen den Geist, von welchem -ein Teil der damaligen Neuhauser Intelligenz hinsichtlich des wachsenden Zuzuges von Juden nach der Stadt beherrscht wurde. Es kam dann die Judenemanzipation des Jahres 1867. Auch die chauvinistischen Elemente der Neuhauser Bürgerschaft gewöhnten sich daran, die Juden als gleichberechtigte Mitbürger zu betrachten und mit denselben im guten Einvernehmen zu leben. Man sah allmählich ein, daß durch die Vermehrung der Juden in der Stadt die christliche Bevölkerung, die Kaufleute und Handwerker, nicht, wie es in den Beschwerden der letzteren im 17. und 18. Jahrhundert immer wieder behauptet wurde, in ihrer Existenz bedroht, oder gar dem Ruin preisgegeben wurden. Im Gegenteil, die Juden brachten durch ihre Regsamkeit und Geschäftstüchtigkeit Handel und Verkehr in der Stadt in Schwung, wovon auch die christliche Bevölkerung Nutzen zog. Ignatz Bobele gründete im Jahre 1838 die K. K. priv. Tuchwarenfabrik. Ein Jude gründete in Neuhaus eine Papierfabrik, die dann von Ignatz Spiro, dem Begründer der Böhm. Krumauer Weltfirma gleichen Namens, übernommen und vergrößert wurde. Der Branntweinhauspächter Josef Kaufried, der in dem 40. Jahre des vorigen Jahrhunderts auch das herrschaftliche Bräuhaus und einen herrschaftlichen Hof pachtete, baute eine Fabrik, worin er Kaliprodukte, Salmiak und andere Chemikalien erzeugte, wobei er mit großen Opfern die neuesten technischen Erfindungen zu Hilfe nahm, wodurch er seinen Unternehmungen die größten Erträgnisse abzugewinnen vermochte. Im Jahre 1850 kaufte er den Seminärhof, wo er 120 Stück Vieh mästete und ein großes Gebäude aufführte, welches eine Branntweinbrennerei und Dampfmühle umfassen sollte; er starb jedoch vor Vollendung des Baues am 14. Jänner 1855. Diese jüdischen Unternehmer verschafften vielen Männern und Frauen Arbeit und Brot. Auch das Verhalten dieser und anderer Juden als Staatsbürger und Menschen war achtunggebietend. Namentlich Josef Kaufried war wegen seiner Wohltätigkeit, die er auf originelle Weise übte, so daß darüber zahlreiche Anekdoten im Umlaufe waren, eine populäre Persönlichkeit. Seinen Arbeitern war er ein Vater und Wohltäter, weshalb 1200 Personen seinem Leichenzuge folgten.140 In Neuhaus wirkte auch Jahrzehnte hindurch als Advokat Dr. EduardLederer, der sich unter dem Schriftstellernamen „Leda" in der tschechischen Literatur einen klangvollen Namen erwarb und wegen seiner aufrich- 238 56

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