Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 193)
- Language
- German
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Die Juden in Neuhaus. ZweiterTeil* Von Rabbiner Dr. Michael Rachmuth. in. Unter den Grafen Czernin von und zu Chudenitz 1691—1848. I. Rechtsverhältnisse und wirtschaftliche Lage. Am 20. Jänner 1691 starb kinderlos Franz Leopold Wilhelm Graf Slawata. Die Herrschaft Neuhaus erbte die älteste Tochter des Johann Joachim Grafen Slawata, Maria Josefa, die Gattin des Herrmann Jakob Grafen Ozernin von und zu Chudenitz. Über die zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Neuhaus wohnenden Juden gibt uns die Konskriptionsliste vom 15. Dezember 1723, welche vom Neuhauser gräflichen Oberamte im Auftrage des Prager Landesguberniums angefertigt worden war, eine interessante erschöpfende Auskunft.64 Diese Konskriptionsliste gibt uns zunächst Auskunft darüber, daß der Numerus clausus der Neuhauser Judenschaft unter den Grafen Czernin aufrecht erhalten wurde, daß jedoch durch die Aufnahme des Joseph Moys.es, des Schwiegersohnes des greisen und geisteskranken Aron Samuel, eine fünfte Familie geduldet wurde. Es kam später öfters vor, daß Söhnen oder Schwiegersöhnen der Neuhauser Schutzjuden der Aufenthalt bei ihren Eltern erlaubt wurde, doch mit der Bedingung, daß sie oder ihre Eltern in der Stadt kein Geschäft betreiben. Im Jahre 1704 erhielt die Neuhauser Judenschaft vorübergehend eine Vermehrung um eine Familie. Am 28. Oktober 1703 überreichte nämlich der Wiener Hofjude und kaiserliche Oberfaktor Samson Wertheimer60 eine Bittschrift an Herrmann Jakob Grafen Czernin, worin er um die Erlaubnis zum vorübergehenden Aufenthalte einiger seiner Blutsverwandten in Neuhaus ansuchte. In dieser Bittschrift führt S. Welheimer aus: Während des letzten Türkenkrieges (2. Türkenkrieg 1683—99) wurden „mittelst Kayserl. Frey Paßu einige seiner Verwandten aus dem Reiche nach Wien berufen, damit sie ihm in seiner Tätigkeit im Dienste des Kaisers „assiistiren" sollen. Nach erfolgtem Friedensschlüsse (Friede v. Karlowitz, 26. Jänner 1699) ließen sich dieselben in Eisenstadt und einigen Orten der Umgebung unter dem Schutze des Palatins und Grafen Palfy nieder, woher sie jetzt wegen des ungarischen Aufstandes06 zu ihm nach Wien flüchten mußten. Obwohl ihm nun vermöge der ihm vom Kaiser verliehenen Privile- 1 183