Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 177)
- Language
- German
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Geschehen Ungarischen Brod, den 18. Octobris a° 1649. Links hebräische Unterschriften mit Siegeln. Das rechts allein stehende Siegel des Rabbiners izeigt zwei Fischlein untereinander, das obere nach links, das untere nach rechts gerichtet. Von diesem Rabbiner findet sich bei den Akten ein hebräisch geschriebener Brief, dessen Transkription und Übersetzung Herr Prof. Reg.-R. Dr. L. Wachstein, Direktor der Bibliothek der israelitischen Kultusgemeinde in Wien, die große Freundlichkeit hatte zu übernehmen und dem ich für die Gefälligkeit meinen ergebensten Dank ausspreche. Von ihm rühren auch alle Anmerkungen und Erklärungen, die beigegeben sind, her. Nach ihm ist Rabbiner Isak, Sohn des Elieser Chajjuth, seit 1661 in Prag nachweisbar und 13. November 1684 daselbst als Vorsteher, Mitglied des höheren JuristenkoUegiuims und Prediger gestorben. (Vgl. Hock, Die Familien Prags, S. 120, Sp. IL, wo das Datum 448/1687 kalendarisch nicht stimmt und in 1684 zu verbessern ist.) Der Brief, bei dem die Interpunktion hinzugefügt und die Orthographie modernisiert wurde, lautet*): Wegen des Einzuges der Braut1 kürzte ich die Rede. Nichts als Freude und Fröhlichkeit meinem lieben und hochstehenden Herrn, dem Oberhaupt und Führer des Landes2 h. r. r.8 Jechiel (Gott möge ihn behüten und beschützen). Ich will mich kurz fassen, wo es eigentlich viel zu reden wäre und in einer fliegenden Rolle* all die bösen Taten, die hier in unserer Gemeinde durch die Bösewichter verübt wurden, zu verzeichnen wären, daß solche Denuntiationen nit geschehen is, seit die Welt besteht. Was alles überragt, mich angeben bei der Herrschaft un' mich gebracht ins Gefängnis un' is mir vertraut geworen in diesem Augenblicke, daß der Graf wiU mich sitzen lassen, bis er wird aweg ziehen un9 hinter sich befehlen dem Beamten, daß ich soll auf eine Stunde5 aweg un9 alles, was mir gehört, versteckt Auch meine Tochter Frumet8 ihre Sachen versteckt zwischen Leuten, daß wir kämen um Leib und Geld, Gott behüte. Deshalb mein Liebster, es handelt sich um eine Lebensangelegenheit, daß rom7 m. k. t. wert mich retten aus der Hand dieser Verbrecher un* m. k. t. — um Verzeihung — selbers soüt a her kommen auf meine und des geehrten Herrn Löb Aschkenes (Gott behüte ihn) Kosten uri* jüdische Seelen erretten, denn nach meiner Meinung is kem[e] Furcht zu haben vor dem Grafen. Doch ob r. m. k. t. weit mich selbers a her, soll m. k. t. — tausendmal um Verzeihung — schicken auf meine Kosten zwei Boten, einen an den hochwohlgeehrten m. h. r. r.8 Jakob Boskowitz9 Lfandes]- V[orsteher] und einen an den erhabenen Herrn m. h. r. r. Juda Trebitsch Landes] V[orste»her] un die Boten weren m. k. t. mir a her schicken, aso will ich sie bezahlen. Gott behüte, daß m. k. t. soll ein[e] Ausgabe haben. Nur dahin geht meine Bitte, daß r. m. k. t. soll — Gott behüte — nit lässig sein, denn dieser Bösewicht, der kommt vor10 un hat heute geschickt Boten nach allen Seiten. Es ist nun meine Bitte, daß r. m. k. t soll in Gemeinschaft mit seinen Kollegen, den geehrten Herren L[andes]V[orstehern] (Gott behüte sie), befehlen den Monats- *) Die kursivigedruckten Stellen sind transkribiert; den hebräischen Text s. ß. 174 und 175. 1 Sabbateingang, vgl. Traktat Sabbat 119 a. 2 Im Sinne von Kreis. 3 Die Titulatur in diesem Briefe in Abkürzung wie im Original, h. r. r. die gewöhnliche bürgerliche Titulatur. 4 In einer ganzen Chronik. Der Schreiber bedient sich hiefür Zach. 5, 1. 5 Im Sinne von bald. Frumet, später in Wien. Vgl. Wachstein, Inschriften des alten Judenfriedhofes I. S. 360. 7 Ram mahalath kebod thoratho. Höflichkeitsansprache an Gelehrte von hoher Stellung. Der Adressat hat aber merkwürdigerweise nicht den Morenugrad. Vgl. folgende Note. Der Mann im Gefängnis war zu Komplimenten affenbar gezwungen. 8 m. h. r. r. morenu ha-rabh rabbi. Titulatur für solche, die einen Gelehrtengrad errungen haben. 9 In den Urkunden «Jakob Donath genannt. Siehe Wachstein, Inschriften 1. c. S. 477. 10 kommt zuvor. 166 60