Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 174)
- Language
- German
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allein von ihren Unterthanen die verfallene Contributiones und angeschlagene Anlage nicht eingefordert, sondern denselben mit Vorstreckung einer Summa Gelds fort geholfen, auf daß dieselbige ihr Handthürung treiben, sieh ihrer Nahrung erfreuen, dieselbe genießen, die ihrige damit erhalten und künftig was der Obrigkeit gebührt, nach und nach abrichten; ja es sich zuweilen begeben, daß da ein Herrschaft nicht bei Mitteln gewesen, dieselbe zu Forthelfung ihrer Unterthanen sich in Schuldenlast gesteckt und soviel vonnöthen gewesen, umb Beobachtung künftigen Nutzens willen antecipirt, welches uns diesorts von E. igr. Gn. nicht widerfahren, sondern vielmehrers das Widerspiel, so hiehero abgehörter maßen zu repetiren unnötig. Wir wöllen die Praeterita gänzlichen in Vergessenheit stellen, darvon das geringste nicht melten noch das wenigiste hierinnen anten (so!), wann nur E. gr. Gn. de futuro die Abusus abstellen theten. Derowegen fallen hiemit nieder, sambt unseren Weib und unerzogenen Kindern, mit aufgehöbten Händen, weinenden Augen und halb vermachten Herzen, für dero Hochgräfl. Hochheit unterthänig und umb Gottes Barmherzigkeit willen, höchst flehentlich bittend, E. gr. Gn. geruhen, uns mit gnädigen Augen anzusehen, dero wider uns gefaßten Zorn fallen zu lassen, unsere Noth, Jammer 'und Elend zu beherzigen, zu Verhütung unserer äußeristen Ruin sich doch unser gnädigst zu erbarmben, und wegen der verfallenen Summa ein gn. Mitleiden, und uns dardurch in etwas zu Kräften helfen. Hieran erzeigen E. gr. Gn. ein Werk der Barmherzigkeit, darumben wir für E. gr. Gn. den Allmächtigen täglich, stund-, ja augenblicklich seufzend anrueffen, aUerreichlichist belohnen und erstatten, beinebens wir solches umb E. gr. Gn. mit Darstreckung Leib, Guet und Bluet jederzeit verdienen, uns darüber zu gnädiger gewöhriger Resolution und Protection unterthenigist gehorsambißt empfehlen wöllen. E. gr. Gn. allerunterthenige gehors. N und N, armbe ruinirte gemeine Judenschaft ziu Hungarischen Brod. 2. Beschwerden der Ältesten Juden im Mankgrafthumb Mähren anstatt der Judenschaft zu Ungerischen Brodt wider Ihr Gn. Herrn Herrn Leo Wilhelmen Grafen von Kaunitz. — 15. Feber 1648. An (St. Wenzeslaitag hat der Herr Graf die voroembsten Juden zu Ungerischen Brodt in Arrest genohmen, damahlen sie 200 FL haben erlegen müssen, nicht weniger das Interesse von denen versessenen Zinsen deT 6000 Fl. bezahlt mit 756 FL, izusamben 956 Fl. Als sie nun in Arrest gesessen, hat er sie lassen in die Eisen schlagen, weil sie über ihn geklagt haben, da es doch nicht von ihnen, sondern von uns Ältesten der Judenschaft geschehen. Die aldasige jüdische Gemeind hat vor die Prantwein Prener kurz vor diesem 150 FL erlegen müssen, seind auch gezwungen worden, weil sie einen Judenrichter ohne Vorwissen des Herrn Grafen erwehlt, alsbald 12 Dukaten Straf zu geben, und ob er gleich ein andere Persohn hierzu verordnet, hat er doch den vorigen bei seinem Ambt gelassen. Die gefangene Juden haben hochwohlgedachten H. Grafen vielmal ganz underthenig und fußfallend gebeten, es erarmen durch diese Gefangenschaft viel Leut, welche ihre Nahrung nicht fort treuben können, aber er antwortet, es wehre ihm lieb wann sie gleich verturben, sollten Ihme zuvor dreitausend Gulden erlegen, nachmahls wollt er sie abstrafen, und sodann erst sehen wie der Sachen zu thun sei. Biemegst supplicirten sie abermahl und bitten durch die Barmherzigkeit Gottes umb ihre Entledigung, H. Graf aber hat sie anstatt einer gnädigen Resolution in denen Eisen auf die Arbeit geschickt (welches wider ihre von viel unerdenklichen Jahren habende Privilegia), hat ihnen auch drei Draben zugeben, wann die Juden nit arbeiteten, sie zu schlagen und zu brüglen, ist auch selbst in Perschon dahin kommen, zugeschaut und bevohlen, man sollte ihnen eine schwere Arbeit geben. Folgenden Sonntag ist Herr Graf nacher Hradisch verreist, seinen Pfleger hinderlassen, die Juden zu sich fordern, welches er alsobalden getan, und ihnen auferlegt, sie sollten des Herrn Grafen Rudolph von Caumitz Kammerling in Abschlag des Interesse an vorberührten 6000 Fl. alsobalden 241 Fl. erlegen, sonsten wolle er sie brüglen lassen, ob sie zwar nur über Nacht umb Gedult gebeten, sich unterdessen zu bemühen, wie etwan ein Stuck Geld aufgebracht werden mochte. Und weilen viel Juden sich an andere Ort 57 163