Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 157)
- Language
- German
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Gegenspruch" gestellte Angebot, 2000 Gulden zu erlegen, ebenso abgelehnt, wfo ihre Bitte abgeschlagen, „daß es nemblichen mit uns wie mit anderen im Land wohnenden Juden ebenfalls gehalten werden sollte". Diesen Bericht der jüdischen Partei übermittelte die Landeshauptmannschaft sofort, am 24. dem Grafen und setzte für den 28. eine Besprechung im Amte an, deren Erfolg unbekannt ist. Sie kann wohl kaum von Bedeutung gewesen sein, denn am 3. März erhielt der Graf von der Landeshauptmannschaft eine neue Beschwerde der Juden zugesandt, in der es u. a. hieß, der Graf scheine die Entscheidung hinausziehen zu wollen, sie, die Juden, könnten den Zustand aber nicht länger ertragen, „weilen uns alle Lebensmittel abgeschnitten sind, welches wir mit Gott bezeugen können, maßen es auch der Herrschaft Diener aussagen müssen, daß die meisten unter uns kein Pissen Brodt zu genießen haben, auf welche Weis wir unverschuldter Dingen vor Hunger und Kummer sterben müßten". Dazu komme noch, daß der Graf die bisherige militärische Exekution am 1. März um 18 Soldaten verstärkt habe, „darauf wöchentlich 20 fl. Unkosten gehet" u. s. f. Und die Landeshauptmannschaft fügte aus eigenem wenigstens soviel hinzu, daß sie sagte, es scheine ihr „nicht der rechte Weg zur Beschaffung der Zahlungsmittel" durch die Juden zu sein, „wenn einerseits die Exekution mit großen Unkosten der Juden geführet, anderstheils durch Gefängnis aller Handel und Gewerb ihnen gesperret wird". Auch müsse der Graf, da das Amt schon mit Rücksicht auf die kais. Resolution „die Protrahierung der Sachen nicht verantworten könne,... ein für allemahl erinnert werden, daß er dem Werkch ein Ende mache". Graf Kaunitz, der schließlich damals ein mächtiges Mitglied des mährischen Herrenstandes, kais. Mait. Rat, wirklicher Kämmerer und Oberster Landrichter war, empfand den ihm vom Landeshauptmann Grafen Rottal gemachten Vorwurf und antwortete ebenso entschieden am 8. März: Die letzte Verzögerung sei nur durch eine Erkrankung seines Advokaten verursacht und werde bald behoben sein. Die Verstärkung der Exekution sei nicht von ihm verfügt worden, sondern vom Hradischer Kreishauptmann, und nicht wegen seiner Streitigkeiten mit den Juden, sondern weil sie dem Kaiser Kontributionsgelder schuldig seien, die sie nicht zahlen wollten. Im übrigen, „wegen meines Privati kann keiner lieber der Sachen ein Endschaft sehen und verlangen als ich", doch handle es sich doch um seine „Sache und seinen Säckel". Er bitte daher, das Amt möge doch nicht, „wie ich schmerzlich erfahre", die Juden „mit ihren capriosis und verzwickten unbilligen Postulatis... gegen mir praevaliren lassen". Gleichzeitig übersandte er zwei von seinem Advokaten abgefaßte umfangreiche streng juri- 146 40