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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1932-01-01 · 4 (1932) · page 142

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
4 (1932)
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 142)
Language
German
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IRI
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Herr Graf von Kaunitz, weder für sich Selbsten noch durch seine Bearabte und Unterthanen, noch auch durch andere..., seine Juden zu U.-Brodt bis zu gerichtlicher Austrag- und Decidirung der Sachen einzigen Gewalt und Ungelegenheit zufügen, noch viel weniger auch ihnen in ihrem Handel und Wandel zur Abstattung der kaiserlichen Contributionen verhinderlich sein solle, widrigenfalls..Zugleich wird auch den Juden befohlen, „sich demjenigen was von altershero gebräuchig gewesen, der Gebühr und Schuldigkeit nach zu bequemen und gegen ihre Obrigkeit allen geziemenden Respekt und Gehorsam zu halten". Ruhe und Frieden zwischen der Grundherrschaft und ihren Juden schien vollkommen hergestellt.45 Wir erhalten weder aus diesem noch aus dem folgenden Jahre 1650 irgendeine Nachricht von Zwistigkeiten oder Beschwerden weder von der einen oder anderen Seite. Im Gegenteil; Graf Leo Wilhelm unterstützte die Geschäfte seiner Juden. Markus Pinkus, Judenrichter im Jahre 1650 in U.-Brod, bedurfte für seinen Handel 1000 Gulden, die er ohne Wissen und Willen der Grundobrigkeit nicht leicht ausgeliehen erhielt. Leo Wilhelm zögerte nicht, mit eigener Unterschrift und eigenem Petschaft in Wien am 8. März 1650 zu bestätigen, daß „er Jud bis dato starke Handl geführet und dessenwegen kein Klag auf ihn vorkommen", so daß er ihm erlaubt, sich diese Summe zur „Fortsetzung seiner Handtierungen" zu beschaffen und dem etwaigen Gläubiger, „deme so ihme das Geld leihen würde", verspricht, zur rechtmäßigen Bezahlung landsbräuchlich zu verhelfen.46 Ein andermal vermittelte der Graf bei einer Judentaufe. Niklas, Jessl's Sohn, war mit seinen beiden älteren Söhnen zum Christentum übergetreten. Dagegen wehrte sich aber seine Frau Gella und war mit dem jüngsten fünfjährigen Kinde David zuerst zu ihrem Bruder Samson Ascanes nach Matzen, Fünfkirchner Herrschaft, gegangen und von dort nach Wien zu ihren Vettern, den Brüdern Koppel und Bermann. Da alle brieflichen Ermahnungen Niklas' nichts fruchteten, wandte er sich an Leo Wilhelm, seinen „Gevattern", mit der dringenden Bitte, er möge ihm, wenn schon nicht die Gattin, so doch das Kind zurückverschaffen, „auf daß selbiges, weil es noch jung, in christlicher catholischer Religion auferzogen und unterwiesen werden möge". Und Graf Kaunitz richtete — es war gegen Ende des Jahres 1650 — tatsächlich in dieser Sache ein Schreiben direkt an den Kaiser und bat um Unterstützung. Dabei wies er darauf hin, daß „in kurzer Zeit" in U.-Brod „unterschidliche jüdische Personen" getauft wurden, darunter eben auch „ein alter wolverhaltener Jud Nikolaus sambt seinem älteren Sohn Martin (des zweiten geschieht hier keine Erwähnung) und der Kaiser möge ihm zur Erlangung des Söhnchens David verhelfen. 25 131

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