Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 131)
- Language
- German
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Dörfern S. Gnaden. So sei kein Handel damit zu führen, am wenigsten in der Stadt. Gehe man aber damit übers Land, dann laufe man Gefahr, Räubern und Strolchen in die Hände zu fallen. Sie bitten daher inständigst, die Kapauner billiger erhalten zu können, damit sie damit wenigstens das Brot sich verdienen könnten. 6. Entgegen dem getroffenen Abkommen und obwohl sie dafür einen jährlichen Zins entrichten, werden ihnen noch immer vom Büttel und Schergen S. Gnaden (od drabu a holomku V. M.) die Pferde gewaltsam weggenommen, was S. Gnaden gütigst abstellen lassen möge. Und schließlich 7. beschweren sie sich über den offenkundigen Haß, den ihnen die christlichen Bürger und Nachbarn zeigen und den sie in ihrer Supplikation an S. Gnaden bewiesen haben, während sie, die Juden, bemüht seien, sich um sie verdient zu machen und ihnen zu helfen, wie z. B. „auf die Soldaten (na vojäky"). Ja, sie wollten sie aus der Stadt hinaustreiben, wo sich die Juden doch mit Gunst und Erlaubnis S. Gnaden Häuser gekauft hätten, — wie gleichfalls aus der Supplikation zu ersehen sei. Ihnen, den Juden, wurden doch die Häuser in der Vorstadt zerstört, von denen sie ehemals Roboten leisten mußten; jetzt aber, da sie mit Willen S. Gnaden in der Stadt ansässig seien, könnten derartige Robotleistungen von ihnen doch nicht mehr gefordert werden. Um so mehr bitten sie S. Gnaden, über sie die schützende Hand zu halten und sie bei ihren Privilegien zu lassen. Gerne wollen sie mit den Bürgern in Frieden und guter Freundschaft verbleiben. Eine Wirkung konnte diese Eingabe schon aus dem Grunde nicht haben, weil Maximilians Tage, wie schon erwähnt wurde, in U.-Brod gezählt waren. Er verließ die Heimat und begab sich nach Ungarn, wo ihm nach seinem evangelischen Glauben zu leben möglich war.30 Mit dem Jahre 1630 begann für U.-Brod eine neue Zeit. Maximilian folgte sein jüngster 1614 geborener Bruder Leo Wilhelm, der schon ganz der streng katholischen Generation, die mittlerweile emporgewachsen war, angehörte. Er war unter dem persönlichen Schutz des mährischen Landesgubernators, des Kardinals Franz von Dietrichstein (gest. 1636) im Jesuitenkonvikt in Olmütz erzogen worden, war ein selbstbewußter harter Charakter, der mit niemandem Erbarmen hatte; nur gegen Kirchen und Klöster war er wohltätig.31 Beim Rücktritt Maximilians war Leo Wilhelm noch nicht fähig, die Herrschaft in eigene Verwaltung zu übernehmen. Erst am 25. August 1633 erklärte Kaiser Ferdinand II. in einer Zuschrift an den Kardinal, daß er Leo Wilhelm, trotzdem noch einige Monate fehlen — er war am 16. Januar 1634 erst volljährig, d. h. 20 Jahre — „seine vollkommenen Jahre erteile", daß er aber trotzdem noch ein oder zwei Jahre „in seinen 120 14