Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1932-01-01 · 4 (1932) · page 130

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
4 (1932)
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 130)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2644300-2644307--1589-2645933
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

trugen zusammen an die 20.000 M. (so!). So seien sie also vernichtet und wüßten sich keinen Rat, wenn S. Gnaden ihnen nicht zu Hilfe kommen und Schutz gewähren wolle. Denn zu den vielen Abgaben und Zahlungen an ihn kommen noch die Kontributionen an den Kaiser, rund 1500 fL,28 und an S. Gnaden für ihnen dargeliehenes Geld laut Abrechnung 1523 fl. Wenigstens diese Summen möge er ihnen auf ein Jahr gegen billige Zinsen stunden, wie er es bei anderen seiner Untertanen in der Stadt und auf den Dörfern bereits getan habe. Nun erst folgen die einzelnen Beschwerden. 1. Was die ihnen zugeteilten 45 oder 40 Kühe für Milch anlangt, so erklären sie, daß davon zehn so schlecht seien, daß nach Aussage des Juden Moises (der wohl die Aufsicht hatte) sie nicht einmal eine Maß Milch gaben. Auch sei vereinbart gewesen, daß ihnen anstatt einer Kuh auch 12 Schafe gegeben werden könnten, während man ihnen jetzt nur 10 bewillige. Der Schafhirt sei nicht, wie es früher üblich war, mit der samstägigen Schafmilch für seinen Bedarf zufrieden, sondern verlange Bezahlung. Im vorigen Jahre hätten sie für das Gemelke (dojivo) 100 breite Taler bezahlt, von S. Gnaden aber Erleichterung versprochen erhalten. Darum bäten sie nun in allen angeführten Punkten. 2. Sie erleiden großen Abbruch bei der Einwechslung des Geldes S. Gnaden auf ungarische Münze; allein dazu seien sie verpflichtet und täten es gern (s ochotnosti). Aber daß sie es nun auch, was früher nie geschah und ihnen großen Schaden verursache, für die Stadt tun müßten, möge S. Gnaden abstellen lassen. 3. Früher — so erklären sie weiter — waren die jüdischen und christlichen Fleischer in gleicher Weise verpflichtet, zum Verkauf ausgestellte herrschaftliche Kühe und Schafe (na vystav k prodeji ulozene) zu nehmen, jetzt aber nur die jüdischen. Dazu sei das Vieh manchmal krank und teuer, so daß sie nicht aufkommen könnten und alle Juden darunter litten. Auch erzeuge es ihnen bei Christen und Juden einen schlechten Ruf, wenn sie ungesundes Vieh schlügen. Sie bitten um Gotteswillen, daß es nicht mehr geschehe, da es ihnen zum größten Verderben gereiche. 4. Was die Fische anlangt, so habe man ihnen heuer viel weniger um den doppelten Preis wie früher abgegeben. Viele, die nicht einmal ein Stück Brot haben, könnten sie überhaupt nicht kaufen, anderen sei der Preis wegen anderer Abgaben unerträglich und unmöglich. S. Gnaden möge sie doch in Anbetracht ihrer allgemeinen Not damit nicht plagen lassen.29 5. Gänse, Enten und besonders Kapauner gebe man ihnen jetzt das Stück um 18 Kreuzer, obwohl sie nicht 7 bis 8 wert seien. Im Bezirk und vor allem hinter den Bergen seien sie billiger, ebenso in den 13 119

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.