Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 125)
- Language
- German
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für seinen Vormarsch zu bieten. Um sie entbrannte der Kampf. Hier fand auch Bucquoy bei einem Ausfall am 10. Juli 1621 den Tod. Die Stadt U.-Brod liegt aber nur etwa 130 Kilometer nordwestlich von Neuhäusel entfernt, wurde somit Kriegsgebiet und in die Leiden dieser schweren Zeit hineingezogen. Die Klageschrift schildert denn auch, wie schon 1620/1 an die 3000 Mann kaiserlichen Heeres in U.-Brod einquartiert wurden, „außer des Gesinds und der Weiber, also daß alle Häuser voll waren, so die Bürgerschaft... notandum in die 743.207 fl. gekostet hat; und die Soldaten sich alles bemächtiget, also daß die Bürger wegen grausamen Tractierens von Häusern entweichen haben müssen. Welche aber geblieben, denen alle Schlüssel zu den Böden, Truhen, Kammern, Kellern genommen, und sie Bürger nur aus Gnaden eines Stück Brodes sich bei denen Soldaten gehalten und ihnen gedient haben. Und solches etlich Jahr gewährt hat, also daß die Acker bei der Stadt verödt, mit Diesteln und Dörnern verwachsen, und mit Füchsen, Wölfen und andern Wild erfüllet waren; auch nicht leichtlichen in einem Dorf herumb ein Mensch anzutreffen war...". Nachdem aber Neuhäusel, heißt es weiter, im Herbst 1621 von Bethlen genommen worden war, drangen dessen räuberische Horden sofort über die mährische Grenze vor, vertrieben die kaiserlichen Besatzungen, setzten sich in den nächstgelegenen Städten Straschnitz, Wessely und U.-Brod fest, um sie noch weiter auszuplündern. Es genügt, an die Schilderung Gindelys von der Not und dem Jammer in diesem Gebiete zu erinnern: „Das Elend im ganzen Marchlande, dem eigentlichen Kriegstheater, steigerte sich zu einer unbeschreiblichen Höhe. Von den Eingeborenen erlagen Hunderte buchstäblich dem Hungertode und nicht weniger dem Schwerte und der kannibalischen Wuth der Ungarn, gegen die sie den letzten Rest ihrer Habe vertheidigten. Man konnte in zahlreichen Dörfern oder vielmehr in den Aschenhaufen derselben die halbgebratenen Leichname ihrer Bewohner schauen, deren armselige Häuser von den Plünderern angezündet worden waren. Epidemische Krankheiten griffen um sich, denen auch die Soldaten beider Heere zum Opfer fielen..."xt Diese für das Volk geradezu unerträglichen Verhältnisse zwangen denn auch den Kaiser, mit Bethlen Gabor Frieden zu schließen, den die beiderseitigen Unterhändler in Nikolsburg zustande brachten und den Ferdinand H. am 6. Januar 1622 unterzeichnete. In solchen Kriegszeiten waren die Vorstädte stets am meisten gefährdet, sei es daß der Feind in sie eindrang und die Bewohner aus den Häusern und Hütten, Scheunen und Ställen vertrieb und sich darin festsetzte, um den Stadttoren und der Stadtmauer in gesicherterer Lage als im freien Felde möglichst nahe zu sein, sei es daß die Stadt selbst 114 8