Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 85)
- Language
- German
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Juden damit betonen wollten, daß die Weihe der Synagoge mit der Neugründung des Jerusalemischen Tempels aufgehoben werden soll. Dann müßten jedoch alle Synagogen in der Diaspora so bezeichnet werden, außerdem müßte die Bezeichnung anders geschrieben werden, als sie in den jüdischen Urkunden wirklich vorkommt. Wahrscheinlicher ist es, daß in Prag eine alte Synagoge existiert hat, daß dann, viel später, eine zweite gebaut wurde, die zum Unterschiede von der alten neu genannt wurde. Als dann wieder nach langer Zeit eine dritte Synagoge dazukam, wurde die zweite altneu genannt, .um von der dritten, neuen, unterschieden zu werden.67 Diese Frage kann nicht durch Vermutungen gelöst werden; es ist notwendig, durch historische Berichte aufzuklären, welche jene „alte" Synagoge war, wann die „neue" „altneu" benannt wurde und welche jene dritte, „neue Neuschul" war. Daß die Altneuschul, wie sie heute dasteht, ein Umbau einer älteren, an derselben Stelle stehenden Synagoge ist, ist sehr unwahrscheinlich.68 Cosmas berichtet zwar von dem Synagogenbrand im Jahre 1142,6,J es ist jedoch nicht bekannt, ob diese Synagoge in der Judenstadt lag. Wir haben nachgewiesen, daß die Altneusynagoge in ihrer heutigen Form am Anfang der Regierungszeit Pfemysl Ottokars II. entstanden ist und bis auf kleine Restaurierungsarbeiten nicht umgebaut wurde. Daß hier jene „alte" Synagoge gestanden hätte und daß man sie nach dem Brand ein ganzes Jahrhundert als Brandstätte stehen gelassen hätte, ist sehr zu bezweifeln. Von einem späteren Brand der Synagoge oder ihrer Zerstörung haben wir weder eine Nachricht, noch ist im Ghetto etwas geschehen, was eine derartige Katastrophe verursacht haben könnte. Es bleibt also nur zu glauben, daß die heutige Altneusynagoge ursprünglich jene zweite, neue Synagoge war. Von der alten Synagoge lesen wir das erstemal in der Nachricht aus dem Jahre 1315, welche die „.....versus antiquam synagogam Judaeorum...." gelegenen Häuser erwähnt. Diese Nachricht, welche auch Neuwirth wiedergibt, bezeichnet nicht die Situation dieser Synagoge; ihre Bezeichnung zeigt aber davon, daß sie zum Unterschied von einer anderen, neuen, die damals schon existiert haben muß, alt genannt wurde, also zum Unterschiede von der heutigen, damals schon bestehenden Altneuschul. Nach der SeUcha des Rabbi Abigdor Karo, zu welcher wir noch zurückkehren werden, existierten beide im Jahre 1389. Zum Jahre 1401 spricht W. W. T o m e k von einer Synagoge, welche er „antiqua apud sanctum spiritum" nennt.70 Dies ist die erste nähere Bezeichnung dieser an Stelle des heutigen Tempels stehenden Synagoge, in einem Viertel, das in den historischen Quellen oft „bei der Altschul" genannt wird; so in der „Beschreibung der Prager Juden, 88 26