Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 83)
- Language
- German
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Das plastische Dekor dieses weniger fortschrittliehen Steinmetzen der schematischeren Richtung erinnert auch oft an die älteren Teile des Agnesklosters, d. h. vor allem an die St. Franziskuskirche, dann an das Dekor des leider undatierten Chores der Pfarrkirche in Nimburg oder den Nordflügel des Querschiffs am Strahov, manchmal sogar an das Portal der romanischen Kirche in Vinee.63 Suchen wir jedoch Analogien zu den Arbeiten des fortschrittlicheren Meisters, so müssen wir uns entweder in die St. Barbarakirche, vor allem aber außerhalb Prags, nach Hohenfurth begeben, wo das aus dem Querschiff in die Sakristei führende Portal mit lebendig, plastisch aus dem Relief tretendem, fein geschnittenem, wirklichem Blattwerk verziert ist, aus dem zwischen Wolken eine ähnlich realistisch dargestellte Hand Gottes auftaucht. Wenn wir dieses Portal neben das der Synagoge stellen (Abb. III), sehen wir, daß weder die Entstehungszeit noch die beiden Autoren zeitlich weit voneinander entfernt sein konnten. Der Unterschied liegt darin, daß die vier aus einem Stamm symmetrisch wachsenden, an Blättern und Trauben reichen Weinranken, denen die symbolische Flamme beigegeben wurde, noch feiner, sorgfältiger, mit mehr Liebe ausgearbeitet sind,64 wenn dies überhaupt möglich ist. Das Hohenfurther Kloster ist, wie wir oben gesehen haben, genau datiert.66 Es wurde von Peter Vok von Rosenberg im Jahre 1259 gegründet, welcher, als er 1262 starb, schon hier begraben wurde. Damals stand das Presbyterium mit den Seitenkapellen und dem angrenzenden Teil des Querschiffes, also auch das Portal. Außer diesem Portal gehört hieher auch das Portal der schon öfter erwähnten Kapelle der Schutzengel im nahen Goldenkron, welche, wahrscheinlich vor dem Jahre 1263 erbaut, stilistisch mit Hohenfurth verwandt ist. Wir begegnen hier demselben Tympanonschmuck wie an dem Arontympanon der Altneusynagoge .Das wirkliche Blattwerk, hier Efeuranken, bildet eine durchbrochene, von der Grundlage detachierte Fläche. Seinem ganzen Charakter nach ist das Portal dem Aron der Synagoge gleich verwandt wie das Hohenfurther dem Synagogenportal. Das plastische Dekor aller architektonischen Glieder der Synagoge liefert einen weiteren Beweis dafür, was wir durch Vergleichen der Architekturen selbst auch schon erkannt haben: Es entspricht im Stil, in der Auffassung und in der Ausarbeitung der Entwicklungsstufe, auf welcher sich das plastische, vegetative Dekor in Böhmen in der Anfangszeit der Regierung Premysl Ottokars II. befand. Wir können also den Bau der Prager Altneusynagoge in keine andere Zeit verlegen. Sie muß in den sechziger Jahren des 13. Jahrhunderts entstanden sein, und zwar am wahrscheinlichsten um die Mitte dieses Jahrzehnts. Diese unsere, ausischließlich aus den künstlerischen Elementen und 86 24