Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 79)
- Language
- German
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Nun müssen wir chronologisch etwas zurück, zu dem zweischiffigen gotischen Raum, in dessen Bereich auch die Prager Altneusynagoge gehört. Aus der Zeit der Frühgotik blieben in Böhmen nur wenige erhalten. Auf einen Mittelpfeiler gestützt ist das Gewölbe der noch romanischen Krypta des im Jahre 1190 gegründeten Klosters Bruck51 in Mähren, aus der Zeit Pfemysl Ottokars II. der Kapitelsaal in Hohenfurth. Durch zwei mittlere Pfeiler in zwei Schiffe geteilt sind die Kapitelsäle des nach dem Jahre 1221 gegründeten Klosters in Ossegg und in Tisnov und der nach 1263 gebaute Kapitelsaal in Goldenkron. Aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts gehört hieher die auf eine Mittelsäule gewölbte Sakristei der barockisierten Kirchen St. Thomas und St. Jakob in Prag. Wie die Disposition der in ursprünglicher Form nicht erhaltener frühgotischer Burgsäle war, wurde noch nicht festgestellt. Es scheint jedoch, daß der Burgsaal in Klingenberg auch zweischiffig war. Nach dieser knapp skizzierten allgemeinen Charakterisierung der drei Entwicklungsphasen der gotischen Architektur in Böhmen, welche für die Entstehung der Altneusynagoge in Frage kommen könnten, versuchen wir, ihre architektonischen Details mit anderen Bauwerken zu vergleichen und so ihre Entistehungszeit genauer festzustellen. In der Beschreibung erwähnten wir schon die achtseitigen Pfeiler (Abb. VII, 5, 10), welche den Raum in zwei Schiffe teilen und in Deutschland nach Krautheimer erst im 14. Jahrhundert, und zwar in Erfurt im Jahre 1316, zum ersten Male vorkommen sollen.52 Wenn wir uns in Böhmen umsehen, begegnen wir ihnen schon bedeutend früher; so in den Burgarkaden in Pisek und Klingenberg, in Klingenberg außerdem auch unter der Kapellenempore, weiter im Kapitelsaal des Zisterzienserinnenklosters in Tysnov und in der Krypta der Kirche in Tfebic;53 alle diese Bauten stammen, wie wir gesehen haben, aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Noch aus der romanischen Zeit sind sie auch in der Krypta der Klosterkirche in Bruck. Im 14. Jahrhundert kommen sie weniger häufig vor,54 erst im 15. und 16. Jahrhundert sind sie sehr zahlreich, nur entwachsen ihnen dann direkt die Rippen, z. B. in Laun und im Rathaussaal in Täbor. Selbst die Ansicht, daß sie in Deutschland erst im 14. Jahrhundert vorkommen, ist nicht richtig. Das Gewölbe der Krypta unter dem Georgenchor des Bamberger Domes ruht auf achteckigen Pfeilern,55 ähnlich wie das Gewölbe des Dormitoriums und des Kapitelsaales im frühgotischen österreichischen Kloster Heiligenkreuz.56 Zu den einfachen, ziemlich starken, halbrunden Diensten mit den verhältnismäßig kleinen Kapitälen finden wir eine Analogie nur in der St. Franziskuskapelle des Agneeklosters. Die Dienste des 14. Jahrhun- 82 20