Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1932-01-01 · 4 (1932) · page 78

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
4 (1932)
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 78)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2644300-2644307--1537-2645881
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Städte, so das Presbyterium der im Jahre 1292 gegründeten Kirche in Pilsen47 und die Kirche in Chrudim aus derselben Zeit (eigentlich auch nur ihr Presbyterium und die Fassaden türme), dann a us dem Ende der Regierungszeit Wenzels II. die Kirche in Königgrätz.48 Aus der im ganzen nicht sehr abweichenden Zeit Johanns von Luxemburg stammt die barockisierte St. Thomaskirche49 auf der Prager Kleinseite, deren Presbyterium im Jahre 1316 geweiht wurde — die ganze Kirche wurde erst im Jahre 1379 eingeweiht. Ein ähnliches Schicksal hatte die St. Jakobskirche in der Prager Altstadt aus derselben Zeit.49 Es folgen dann zwei Kirchen in Bergreichenstein aus der Zeit um das Jahr 1330, die Hallenkirche St. Jakob in Kuttenberg, die bis in das Jahr 1380 gebaut wurde, und die vom Bischof Johann IV. von Drazic im Jahre 1333 gegründete und im Jahre 1358 zu Ende gebaute Kirche des Augustinerklosters in Raudnitz.50 Den französischen Einfluß auf diese Bauperiode bezeugt der direkte Anschluß an das künstlerische Frankreich, von wo den Nachrichten zufolge zwei französische Baumeister berufen worden sind: Wilhelm von A v i g n o n, welcher, nachdem er den Bau der Raudnitzer Brücke angefangen hatte, Böhmen bald wieder verließ. Matthias von Ar ras hatte dagegen bedeutenden Anteil an dem Bau des St. Veitsdoms. In diesen Bauten wurde alles verwirklicht, wonach die Gotik gestrebt hatte. Einfache, durch selbständige, auf eigene Sockel gestellte, eigene Kapitäle tragende Pfeiler der Frühgotik trugen starke, wenig gegliederte Rippen. Diese Organisation ändert sich nun grundsätzlich: die Dienste verschmelzen mit dem Pfeilerkern zu einem Ganzen, welches der durchgehende Kräftestrom verbindet. Die mit Blattwerk verzierten Kapitäle verlieren nun ihre statische Funktion. Langsam strömt die Dynamik des Baues, aufgehalten nunmehr von Kapitalen, welche sie bald beseitigen wird, vom Boden und sucht sich den Weg bis zum Gipfel. Vorläufig wird sie aber noch von tief einschneidenden gekehlten, reich profilierten, die Kapitäle ersetzenden Deckplatten aufgehalten. Der durch hohe, zahlreiche Fenster durchgebrochenen Wand bleibt nur wenig wirkliche Wandfläche, welche noch reduziert werden könnte. Die fein profilierten Rippen des Maßwerkes gliedern plastisch die Fensterfläche, ähnlich wie die Pfeiler die Wandfläche und die Rippen das Gewölbejoch. Die Materie ist hier durch die den merkwürdigen Bauorganismus bildenden Kräfte durchgebildet. Aus dieser Zeit ist nur wenig von dem plastischen Dekor erhalten. Auf den Konsolen und Schlußsteinen erscheint jetzt oft das figurale Element, die vegetativen Formen sind sehr lebendig; das Blattwerk ist schon vollkommen von dem Kern des architektonischen Details detachiert. Überall sehen wir, daß die Zeit die so bedeutende Periode der Plastik Peter Parlers vorbereitet. 19 81

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.