Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 77)
- Language
- German
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Hohenfurther Klosters so nahe steht, daß es nicht ausgeschlossen ist, daß sie noch vor dem Jahre 1263, vielleicht bald nach 1259, gebaut wurde. Heute ist nur das dreijochig eingewölbte Schiff erhalten, das Presbyterium ist im Jahre 1787 verschwunden. Aus der Klosterkirche selbst wurde noch zur Zeit Pfemysl Ottokars II. wahrscheinlich das Presbyterium, das Querschiff und das Langschiff bis zum vierten Pfeiler vom Osten gebaut. Aus derselben Zeit stammt auch der Kapitelsaal, der Kreuzgang und vielleicht das ganze, später umgebaute Kloster. Der zur Zeit Pfemysl Ottokars II. erbaute Teil wurde bald nach Ottokars Tode zerstört. An den Hohenfurther Bauten der ersten Bauzeit und auch in der Schutzengelkapelle in Goldenkron begegnen wir noch den Merkmalen der Zeit Wenzels I. So sitzen in der erwähnten Kapelle die derb profilierten Rippen auf kelchförmigen, die Dienste unterfangenden Konsolen, so daß der untere Wandteil eine ungegliederte Fläche bildet. Die hier und in Hohenfurth mit Ansatzschildchen versehenen Rippen kommen in der Schutzengelkapelle in Böhmen zum letzten Male vor. Ein Anlauf zu Strebebögen, welche nicht durchgeführt wurden, sind ein ausgesprochenes Merkmal reiferer Gotik. Ein weiteres Merkmal des Fortschrittes rein gotischer Auffassung ist ein weiterer Bau dieser Periode, die Kirche des Dominikanerklosters in Budweis,44 wo die bis in die halbe Höhe ihrer Wände laufenden Rippen ein Merkmal der Entwicklungsstufe sind, auf welcher die Gotik zwischen Diensten und Rippen nicht mehr unterscheidet. Sie sind ein von unten bis in den Gipfel verlaufender Bestandteil der aufgelockerten Kräfte. Die bedeutend größeren, mit reichem Maßwerk verzierten Fenster bilden einen weiteren Schritt auf dem Wege zur Entmaterialisierung des Baues; ähnlich auch das plastische Dekor dieser Bauten; die romanische Tradition dringt hier nur noch selten durch, die architektonischen Details schmücken lebendige wirkliche Pflanzen. In dieser Periode kommt nach Böhmen auch die in Deutschland schon heimische Backsteingotik. Die weitere Periode bis zur Zeit Peter Parlers bildet einen vollkommenen Sieg der Gotik. Die Bauten dieser Phase stehen unter direktem Einflüsse der reifen französischen Gotik. Das schon im 12. Jahrhundert gegründete, in der Zeit nach dem Tode Pfemysl Ottokars n. beschädigte Kloster in Sedlec45 wurde in der Regierungszeit Wenzels II. nach dem Vorbild des Kathedralsystems als fünfschiffige Basilika mit nur wenig hervortretendem dreischiffigen Querschiff und polygonalem Chor mit Umgang und einem Kapellenkranz gebaut. Ähnlich war wahrscheinlich das während der Hussitenkriege zerstörte, im Jahre 1262 gegründete Kloster in Königsaal.48 Aus dieser Periode stammt auch eine ganze Reihe der Kirchen der größeren böhmischen 80 18