Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 75)
- Language
- German
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es wurden nach und nach seine einzelnen Elemente in den Rahmen des eigentlichen romanischen Baues rezipiert, bis es endlich zu der Aufnahme des ganzen Stiles kam. Von kürzerer Dauer war die Übernahme des gotischen Stiles in Böhmen, wo der neue Stil eine nicht so eingewurzelte romanische Tradition traf. Er war gleichzeitig mit anderen Änderungen der Verhältnisse des wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Lebens in das Land eingezogen und bedeutete radikale Änderung des gesamten Lebens. Hier machte er dann, wie in allen anderen Ländern, einige Entwicklungsphasen durch. In das 13. Jahrhundert, von anderen Kunsthistorikern in das 14., wurde dann die Entstehung der Altneuschul gelegt. Bevor wir an die genauere Festsetzung dieser Zeit treten, wird es notwendig sein, diese Perioden der böhmischen Architekturgeschichte und ihren Charakter in der Regierungszeit Wenzels I., wo die Gotik ins Land kam, die Periode der Zeit Premysl Ottokars II. und endlich die Zeit vor Peter Parier kurz skizzieren. Daß die Zeit Peter Parlers nicht mehr in Frage kommt, braucht nicht besonders unterstrichen werden. Die ersten, aus der Regierungszeit Wenzels I. (1230—1253) stammenden gotischen Bauten, das ist ein Teil des im Jahre 1233 gegründeten Klosters in Tisnov und die undatierte Kirche in Tfeblö, beide in Mähren, und das Agneskloster in Prag aus dem Jahre 1234 bis nach 124540 tragen alle charakteristischen Züge der Frühgotik. Überall sehen wir romanische Reminiszenzen: die kubische Auffassung der äußeren Form, die Massivität der nur durch enge kleine Fenster durchbrochenen flächenhaften Wände, deren Gliederung nicht mehr Lisenen, sondern Dienste bilden, lockert noch immer nicht alle in ihr latenten Kräfte auf. Diese in der romanischen Architektur latenten Kräfte lockert schon die Gotik in einem andern Elemente, den Gewölberippen, durch welche die Baudynamik am sichtbarsten zum Ausdruck kommt. Aber selbst diese sind in allen diesen Rippen nur sehr wenig gegliedert, ähnlich wie die Dienste, so als ob man ihren statischen und konstruktiven Eigenschaften noch nicht genügend vertraute. Am stärksten sind diese romanischen Reminiszenzen in den mährischen Bauten, welche unter starkem Einfluß der im Kern noch romanischen, die gotischen Elemente nur langsam aufnehmenden österreichischen Bauten stehen, was wir klar sehen, wenn wir z. B. die Krypta in Trebic41 mit dem Dormitorium des österreichischen Klosters in Heiligenkreuz vergleichen. Starke keilförmige Rippen und Gurte und von achtseitigen Pfeilern getragene Gewölbejoche bilden hier und dort verwandte Räume. Unter dem Einfluß der frühgotischen sächsischen Bauten steht das Agneskloster, von dessen Erbauung im Jahre 1234 die historischen Quellen sprechen, da nach anderen Berichten hier noch später gebaut wurde, handelte es sich in diesem Jahre wahrscheinlich nur um das 78 16