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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1932-01-01 · 4 (1932) · page 74

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
4 (1932)
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 74)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644307--1533-2645877
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lere Stützen in zwei Schiffe geteilt wurden. Von den erhaltenen mittelalterlichen Synagogen hat die Form eines einfachen Saales mit einer reduzierten Apsis an der Ostseite und einer flachen Decke die Synagoge in Speyer aus dem Ende des 11. Jahrhunderts83 und die in den Jahren 1145 bis 1241 gebaute erste Synagoge in Frankfurt.84 Die letzte bekannte Synagoge dieses Typus bis zum Ende des 17. Jahrhunderts war die Synagoge in Rufach aus der Zeit um 1300.35 Den zweiten Typus eines quadratischen Saales mit einer Stütze in der Mitte benützte nur die Frauensynagoge in Worms aus dem Jahre 1213.38 Sonst sind alle bekannten mittelalterlichen Synagogen und vor allem die drei ältesten: die in Worms aus dem Ende des 12. Jahrhunderts, die in Regensburg aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts37 und die einzige vollständig .erhaltene Synagoge in Prag zweischiffig. Von den mittelalterlichen Synagogen ist die einzige Regensburger Synagoge mit acht Gewölbejochen auf drei mittlere Säulen eingewölbt; alle übrigen haben zwei mittlere Stützen gemeinsam, die immer je sechs Gewölbejoche tragen. Der zweischiffige Raum kommt bis in das 12. Jahrhundert auf dem Gebiete der europäischen Kunstgeschichte nirgends vor. Erst jetzt begegnen wir ihm außergewöhnlich oft: die Kapitelsäle, Refektorien und Dormitorien der Klöster und zweischiffige Kreuzgangteile (Walkenried), Remter und Burgsäle in Frankreich und Deutschland haben fast ausschließlich diese Disposition. Zweischiffige, auf Pfeiler gestützte Kapitelsäle im 12. Jahrhundert führt für Frankreich Enlart an38 in Fontfroide, Mortemier, Flarau, Vaucelles, Vezelay. In Deutschland nennt Krautheimer folgende nichtsakrale Bauten: vor 1160 das Refektorium in Klosterode, in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts das Refektorium des Klosters Michelstein, um 1166 das Erdgeschoß der Burg Dankwarderode, etwas später Goslar. Aus dem 13. Jahrhundert stammt die Wartburg, Walkenried und Maulbronn. Die sakralen Bauten dieser Disposition fallen in spätere Zeit; es handelt sich vor allem um kleinere, weniger bedeutende Kapellen und Burgkapellen und im 14. Jahrhundert nehmen diesen Kirchentypus die Bettelorden89 an. Bevor wir an die Frage der zweischiffigen Bauten in Böhmen treten, zu denen auch die Synagoge gehört, halten wir es jedoch für notwendig, die Entwicklung der gotischen Architektur so weit zu erklären, daß auch dieser Bau in sie eingereiht werden kann. Der gotische Baustil, in welchem auch die Altneusynagoge in Prag gebaut wurde, entstand bekanntlich in Frankreich. Nachdem er hier einen hohen Entwicklungsgrad erreicht hatte, kam er nach Deutschland, wo er eine entwickelte heimische romanische Architektur traf. Der neue Stil wurde hier nicht gleich als Ganzes übernommen, sondern 15 77

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