Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 73)
- Language
- German
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wird; auf den Almemor und das von hier klingende Wort wird die Aufmerksamkeit konzentriert, der Almemor blieb also der Schwerpunkt, das Zentrum des ganzen Raumes. Die Synagoge war nicht einmal jetzt, in den nördlichen Teilen Europas, vor allem in Deutschland, Polen und Böhmen, in erster Reihe ein Bethaus, sie war immer noch vor allem der Versammlungsort, das Auditorium und die Schule — sie war gleichzeizeitig der Ort, wo der Jude gerichtet wurde, wo ihm die Beschlüsse und Verordnungen der Gemeinde und des Staates mitgeteilt wurden und wo sie gleichzeitig ihre Verträge unterzeichneten. Für ihren Bau gab es nicht einmal jetzt besondere Vorschriften. In jeder Gemeinde, wo wenigstens zehn erwachsene Juden leben, soll ein Bethaus errichtet werden, welches oft in einem beliebigen größeren Raum eines Privathauses untergebracht wurde, in welchem ein Schrank für die Thora und ein kleines Podium für den Vorbeter aufgestellt wird. Wenn die Gemeinde ihre eigene Synagoge Haut, muß sie nur darauf bedacht sein, den Aron32 gegen Osten zu richten — manchmal wird für ihn eine reduzierte Apsis benützt; die Synagoge soll alle Häuser der Umgebung überhöhen und ihr Boden soll tiefer liegen als das Straßenniveau — denn aus der Tiefe tönt das Wort Gottes. Die letzten zwei Vorschriften wurden seit jeher so umgangen, daß, wenn das Terrain oder andere Umstände die erwünschte Höhe nicht erlauben, auf dem Gipfel eine Stange befestigt wird, deren Höhe alle Häuser der Umgebung überragt; wenn aus irgendwelchem Grunde das Tieflegen des Niveaus nicht möglich ist, wird die Basis desArons dort etwas tiefer gelegt, wo der Rabbi steht, oder es wird der Eingang so errichtet, daß man in das Innere der Synagoge einige Stufen hinabsteigen muß. Die sakralen Zwecke haben niemals die profanen an Bedeutung übertroffen, was dann auch bei der Wahl des architektonischen Typus und in der Anordnung des Raumes zum Ausdruck kommt. Ähnlich wie in der Antike suchten die Juden auch im Mittelalter für die Synagoge einen arohitektoniscihen Typus in ihrer Umgebung. Die Auswahl im Mittelalter war nicht allzu reich; der Typus der christlichen Kirche kam aus zwei Gründen nicht in Frage: die asakralen Zwecke der Synagoge und selbst der mehr oder weniger asakrale Kultus erforderten auch eine andere Raumordnung; und nicht zuletzt auch deshalb, weil es sich eben um den sakralen christlichen Raum handelte, welcher aus religiösen und psychologischen Gründen von Juden nicht benützt werden konnte. Die Wahl mußte also den Typus der repräsentativen Profanbauten treffen, und das waren damals die Remter und Burgsäle und in den Klötern die Kapitelsäle, die Refektorien und Dormitorien, die die Form eines «infachen quadratischen Raumes hatten und später durch eine mittlere Stütze, vom 12. bis 16. Jahrhundert durch zwei mitt- 76 14