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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1932-01-01 · 4 (1932) · page 72

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
4 (1932)
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 72)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644307--1531-2645875
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mit Krautheimer glauben, daß zuerst Gemeindehäuser oder überhaupt große entsprechende Räume in der Gemeinde benützt worden sind, wo sich alle ihre Angehörigen versammeln konnten. Erst in der Gemeinde mit einer nichtjüdischen Majorität erweist sich der Bau eines eigenen Synagogengebäudes als erforderlich. Der erste derartige Bau ist die Synagoge in Delos aus dem 2. Jahrhundert vor Christi: ein großer viereckiger Saal mit einem Vorhof; dieser Saal wurde später in zwei Räume geteilt, welche mit Steinbänken versehen waren; an der Westwand eines dieser Räume war ein erhöhter Sitz für den Archisynagogen, dem Vorstand der Synagoge, aufgestellt. Wir sehen, daß es sich um «inen ganz profanen Bau handelt, welcher jedem anderen Zweck dienen konnte. Dieser ältesten Synagoge stehen auch alle in Galiläa ausgegrabenen spätantiken Synagogen sehr nahe; es handelt sich immer um «einen viereckigen Raum mit auf drei Seiten hinlaufenden Säulengängen; in der vierten freien Wand befinden sich ein oder mehrere Eingänge. Einige dieser Synagogen haben Emporen. Es ist klar, daß allen diesen Bauten die antike Säulenhalle als Vorbild gedient hat, von der sie vor allem darin abweicht, daß die Säulen nicht auf allen vier, sondern nur auf drei Seiten umlaufen. Bloß von der im Jahre 116 nach Christi niedergerissenen Synagoge in Alexandria wissen wir, daß allen vier Seiten entlang zwei Säulenreihen liefen; in der Mitte dieser Synagoge befand sich der Almemor.30 So wie diese spätantiken Synagogen in Form und Verzierung den Basiliken glichen, so wenig unterschied sich von ihnen auch ihr Zweck; auch sie waren öffentliche Gebäude, in welchen die verschiedensten Gemeindeangelegenheiten verhandelt wurden. Von ihrem religiösen Zweck zeugt im 2. und 3. Jahrhundert die konsequent durchgeführte Orientation in der Richtung gegen Jerusalem, daß die dem Osten zugekehrte Wand immer die Eingangsseite war; deshalb sind hier weder Säulen noch Emporen. Deshalb hatte auch der Aron in diesen Synagogen keine feste Stellung und konnte von Stelle zu Stelle übertragen werden. Im 4. Jahrhundert nach Christi verbietet der Talmud verschiedene Handlungen in der Synagoge,81 vor altem das Essen, Trinken, Schlafen und Rechnen, wodurch ihre rituellen Zwecke unterstrichen wurden. Um das Jahr 500 nach Christi stabilierste sich die Form des jüdischen Kultus, der später nur noch um neue Gebete und Gesänge bereichert wurde. Im 12. Jahrhundert tritt besonders Maimonides gegen jede weitere individuelle Umformung des Gottesdienstes auf, so daß die Entwicklung im 12. Jahrhundert beendet war. Der Aron, auf welchen anfangs, in der Zeit der ausklingenden Antike, noch gar kein besonderes Gewicht gelegt wurde, erhielt seine feste Stelle an der Jerusalem zugekehrten Ostwand. Er stand jedoch in der Bedeutung immer noch hinter dem Almemor, wo die Schrift vorgelesen und erklärt 13 75

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