Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 71)
- Language
- German
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älteren Abbildungen keine Fenster hatte, urspünglich bis zu dem Vorhaus an der Südseite der Synagoge. Daß er jünger ist als das Vorhaus und die Frauenabteilung, ist daran sichtbar, daß er an diese wie an jene angelehnt ist. Das Spalt zwischen ihm und den beiden anderen Anbauten ist deutlich sichtbar. Er kann daher erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden sein. Uns interessieren jedoch weniger die Anbauten des 18. Jahrhunderts als die eigentliche Synagoge und ihr ältester Zubau, das an ihre Südwand angelehnte Vorhaus, mit denen wir uns nunmehr ausschließlich befassen wollen. Die Beziehung der Altneusynagoge zur Architekturentwicklung in Böhmen. Die architektonische Form der Altneusynagoge weicht von den üblichen Typen der gotischen Bauten in Böhmen in manchem ab und so taucht die Frage auf, woher ihre Disposition als zweischiffiger Raum kommt. Die in der Diaspora lebenden Juden haben für ihre Synar gogen keine besondere, allen ihren Zwecken entsprechende architektonische Form geschaffen. Ob ihnen jede künstlerisch-schöpferische Begabung überhaupt gefehlt hat oder ob sie nur durch religiöse Vorschriften unterdrückt wurde, bleibt eine Frage, auf die bisher keine befriedigende Antwort gefunden wurde. Die Synagoge selbst entsteht in der Zeit, als das rituelle Opfer, in welchem der Kult bis dahin gipfelte, aufgegeben wurde; der Tempel in Jerusalem, dessen Beschreibung aus dem Alten Testament28 bekannt ist, unterschied sich nicht wesentlich vom antiken Tempel, einem Sitz der Gottheit, zu der nur die Priester Zutritt hatten; das Volk durfte dem Gottesdienst nur im Vorhof beiwohnen, wo auf dem großen Altar das Opfer gebracht wurde. Durch die Aufhebung dieser Zeremonie änderte sich der ganze Gottesdienst, verschwand eigentlich der Tempel und seine Stelle nahm die Synagoge ein, der Versammlungsort, wo die Juden beteten und der Schrift zuhörten, wo sie aber vor allem lernten;29 schon in der Zeit Christi befand sich bei jeder Synagoge eine theologische Hochschule. Dadurch ist der Zweck und die Forderung eines abgesonderten Ortes für den Vorbeter so, daß er von allen Anwesenden gesehen und gehört werden könne, also am besten im Zentrum, und eines Schranke» für die Thorarolle gegeben. Dieser Zweck stellt jedoch keine. Forderungen an die architektonische Form; es genügt ein jeder Raum, in dessen Mitte ein erhöhtes Podium für den Vorbeter und ein Schrank für die Thora aufgestellt werden kann. Wir sind also der Wahrheit nahe, wenn wir 12