Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 70)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2644300-2644307--1529-2645873- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
eigentlichen Gebäudes. Davon zeugt die Massivität und geringe Gliederung des ganzen Ganges, was noch später erwähnt werden soll. Der Gang bildete eigentlich das Vorhaus der Synagoge und diente, wie wir gesehen haben, wahrscheinlich oft auch anderen Zwecken. Bedeutend später wurde an die Westwand der Synagoge ein anderer enger Gang zugebaut; dieser ist von zwei Kreuzgewölbejochen, zwischen denen sich dort, wo der Strebepfeiler des Hauptbaues steht, ein Joch mit einer Tonne mit Stichkappen befindet. In jedem dieser drei Gewölbejoche ist ein kleineres oder größeres viereckiges Fenster und unter ihm eine segmentförmig geschlossene Nische. Da dieser Kaum durch kleine, nach innen sich stark verengende Fenster mit dem eigentlichen Synagogenraume verbunden ist, ist es nicht ausgeschlossen, daß sich hier die Frauenabteilung befand, bevor die neue an der Nordseite entstanden ist. An der äußeren Westwand über dem letzten Fenster befindet sich eine hebräische Inschrift: Esrath nasohim hasoth nivne<sa meohadaseh min hajessod ad lemala wenigmera schenath zijon bemischpat tipode. (Diese Frauensynagoge wurde neu und von Grund aufgebaut im Jahre 1732.) Wodurch wir den Bau datiert haben. Noch später ist die Entstehung des nördlichen Anbaues der Synagoge, der heutigen Frauensynagoge, anzusetzen. Es ist ein langer, nicht ganze 3 m breiter Raum, welcher sich an die Nordwand des Hauptgebäudes anlehnt, die er im Westen um 2 m, im Osten um 1.50 m überragt. Sie ist mit einem Tonnengewölbe mit Stichkappen über den Fenstern überwölbt. Ihr schräges Pultdach reicht außen nur dicht unter die Sohlbank des Hauptgebäudes. Diese Frauenabteilung ist mit dem Synagogenraum ebenfalls durch enge, nach der Männerabteilung sich verbreiternde Fenster verbunden, deren Breite in der Frauenabteilung zwischen 56 und 96 cm, in der Männerabteilung zwischen 121 und 135 cm schwankt. Die Fenster befinden sich etwa 1 m oberhalb dem Boden, so daß die in ihrer Abteilung an den Fenstern sitzenden Frauen dem Gottesdienst in der Hauptsynagoge folgen können. Da sich an der Nordwand vor diesem Anbau kein früherer Bau befand — wenigstens bei der Restauration wurden keine Spuren eines solchen gefunden — muß vorausgesetzt werden, daß die erste früher erwähnte Frauensynagoge an die Westwand angelehnt war; erst später wurde sie dann durch den nördlichen Anbau, dessen ganzer Charakter von seiner Entstehung erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts zeugt, erweitert oder ersetzt. Vom Strebepfeiler in der Mitte der Ostwand des Hauptgebäudes bis zu der Frauensynagoge, welche, an die Nordwand des Hauptgebäudes angelehnt, dieses an der Ostseite etwas überragt, befindet sich der jüngste Anbau. An der Südseite reichte dieser enge Gang, der nach 11 73