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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1932-01-01 · 4 (1932) · page 69

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
4 (1932)
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 69)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644307--1528-2645872
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wand befindlichen heutigen Eingänge wurden erst später, vielleicht erst nach 1870 durchbrochen, da sie Grueber noch gar nicht erwähnt. Außerdem war ein alter Eingang an der Ostseite, der heute in ein Fenster umgewandelt ist; die zu ihm führende Treppe blieb jedoch erhalten (Abb. IL). Das spitzbogige Tonnengewölbe des Ganges tragen herbe, aus fünf Seiten eine Achteckes profilierte, auf prismenförmige Konsolen gestützte Gurte (Profil Abb. 7.); zwei von ihnen stützten sich auf die Westwand des Hauptgebäudes, die beiden anderen auf ihre Strebepfeiler. Die Westwand des Ganges durchbrach ursprünglich ein Rundfenster. Das spitzbogige Fenster, welches heute den Gang erhellt, wurde erst von Mocker durchbrochen. An der Ostseite dieses Ganges, dort, wo ursprünglich der Eingang aus der Niklasstraße war, befindet sich gleich unter der letzten Stiege ein Vorbeterpult in der Form eines ungefähr in einem Drittel der Höhe abgeschnittenen, ziemlich schlanken Säulenschaftes im Renaissancestil, mit einer hebräischen Inschrift und dem Davidstern im Hochrelief geschmückt. An die Südwand ist «ine einfache Steinbank angelehnt, links von diesem Eingang steht frei eine Aedikula auf hohem Sockel in Ausmaßen von 2.20X1.30X2.60 m oben an allen vier Seiten mit Tympanen mit Metopen in den Ecken abgeschlossen, in Profilierung und ganzer Form dem Renaissancestil entsprechend. Nahe dem Eingang in den Synagogenraum ist an den ausragenden Strebepfeiler eine zweite ähnliche Aedikula mit einem Fenster mit Renaissancegewände aus Sandstein angelehnt, oben verziert mit ziemlich massiven, primitiv profilierten Voluten. Der Zweck dieser beiden Aedikulen war lange unbekannt und umstritten; erst vor kurzem wurde im Archiv des Innenministeriums ein Akt gefunden, der eine eindeutige Erklärung geliefert hat.27 Die Aedikulen waren diesem Akt zufolge schon zu Anfang des 18. Jahrhunderts Kassen, in welche die der Judenstadt auferlegten und auf einzelne Mitglieder der Gemeinde verteilten Steuern abgeführt wurden. Vier Schlüssel von diesen Kassen befanden sich in den Händen der 12 Steuereinnehmer, und zwar so, daß sie monatlich immer vier von ihnen abwechselnd hatten. In jenem Teil des Ganges, wo sich unter der Treppe das Vorbeterpult und die Steinbank befinden, verrichteten wahrscheinlich in den Frühstunden ihr Gebet die Bewohner der Judenstadt, die geschäftehalber die Stadt verlassen mußten und an dem regelmäßigen späteren Frühgebet in der Synagoge nicht teilnehmen konnten. Daß der Gang ein Anbau ist, kann man daran erkennen, daß seine Ostwand mit dem Mauerwerk der Südwand des Hauptgebäudes nicht in Verband steht und daß sich der Strebepfeiler des Hauptgebäudes im Innern des Ganges befindet. Dieser stilistisch dem Hauptgebäude am nächsten stehende Gang entstand nicht lange nach der Beendigung des 72 10

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