Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 62)
- Language
- German
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historiker, J. B r ä n i s,9 und in der neuesten Zeit V. Birnbau m,10 welcher die Synagoge, nachdem er sie mit dem Gebäudekomplex des Agnesklosters in Prag verglichen hat, in die Regierungszeit Wenzel I. setzt. In die nächstfolgende Zeit, d. h. in die Regierungszeit Premysl Ottokars IL verlegt sie E. Poch e.A1 Die Verwandtschaft mit dein Agneskloster konstatiert auch W. Klei n,12 allerdings mehr auf Grund der Arbeit V. Birnbaums als auf Grund eigener vergleichender Betrachtung. A. G r o 11 e,18 welcher den Typus der zweischiffigen Hallen zu erklären versucht, geht von der im Jahre 1034 gegründeten romanischen Synagoge in Worms aus, von welcher er die Entwicklung bis zu der Regensburger gotischen Synagoge führt. Diese von Pogromen und Unterdrückungen der Juden während der Kreuzzüge unterbrochene Entwicklung setzt sich erst nach 200 Jahren in Prag fort. Grotte neigt zur Ansicht Gruebers, worin ihn die gute wirtschaftliche Lage der böhmischen Juden während der Regierungszeit Premysl Ottokars II. bestärkt. Zum Vorbild für den Bau der Altneuschul wurden nach ihm die früheren Bauten in Worms und Regensburg. Im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts kam an die Prager deutsche Universität der Kunsthistoriker Josef Neuwirth, der sich lange Jahre mit der böhmischen Kunstgeschichte beschäftigt hat.14 Den Nachrichten tschechischer Historiographen zufolge, die in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts nur von der Synagoge sprachen, ohne eine neue von einer alten Synagoge zu unterscheiden, urteilt er, daß damals in Prag überhaupt nur eine Synagoge bestand. Erst nach der Einäscherung der Judenstadt im Jahre 1338 wurde, und zwar bis zum Jahre 1350, die neue Synagoge gebaut, denn in diesem Jahre war den Juden das Bauen neuer Synagogen verboten. Im Jahre 1342 spricht dann schon eine archivalische Nachricht vom Hause15 „contra novam synagogam Judaeorum". Nach der Elegie Abigdor Karos, die die Greueltaten des Pogroms im Jahre 1389 beschreibt, drang das Volk „in das alte und in das neue Bethaus". In diesen beiden Bethäusern sieht Neuwirth die Altschul, d. h. den heutigen Tempel in der Geistgasse und die heutige Altneuschul, auf deren Ost- und Westseite bei der Restauration eine Inschrift mit der Jahreszahl 5141, d. h. 1381 gefunden wurde. Da die heutige Altneusynagoge in der Zeit Johannes von Luxemburg zum Unterschiede von einer zweifellos alten als neu bezeichnet wurde, erklärt sich daraus und aus der Bezeichnung Abigdor Karos, daß diese in der Zeit des Königs Johann gebaut wurde, wodurch auch der rein gotische Charakter des Baues erklärt ist, der zweifellos vom Auslande aus beeinflußt worden ist. Da die damaligen Prager Juden in nahen Beziehungen zu den Regensburger Juden gestanden sind, sieht Neuwirth 8 65