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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1932-01-01 · 4 (1932) · page 61

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
4 (1932)
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 61)
Language
German
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IRI
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Brand bald nach dem Jahre 1142 oder um das Jahr 13165 zurück. Bei allem Verständnis für ihren Lokalpatriotismus können wir jedoch den beiden Autoren nicht viel Glauben schenken. Erst im 19. Jahrhundert erlaubte die Kunstgeschichte, eine damals schon selbständige Wissenschaft mit genau gesteckten, heute allerdings sehr verschobenen Zielen, an die Erforschung unseres Prager Baues unter den notwendigen Voraussetzungen heranzutreten. Einzelne Kunstdenkmäler konnten nicht mehr als isolierte Erscheinungen ohne jede Beziehung zu den kulturellen Faktoren betrachtet werden; die Kunstgeschichte versucht ähnlich, wie es damals andere Geisteswissenschaften und auch die Naturwissenschaften taten, das Prinzip ihrer Entwicklung zu begreifen und in einzelnen Erscheinungen Glieder ihrer Entwicklungskette zu sehen. Damals strebten K. Schnaase und F. K ug 1 er, beides Deutsche, die Entwicklung einzelner Kunststile auf Grund kulturhistorischer Betrachtung darzustellen, wodurch die Kunstgeschichte zur wahren wissenschaftlichen Grundlage gelangte. Beide verlegten übereinstimmend die Gründung unserer Synagoge in das 13. Jahrhundert6 und das selbst dann, wenn Schnaase einen bestimmten Konservativismus der Prager jüdischen Bauherren und die wahrscheinlichen Rücksichten des christlichen Baumeisters zugibt, also eine Benützung älterer, ungewöhnlicn einfacher Formen selbst etwas später in Betracht zieht; die Details und der ganze Charakter des Baues lassen nach Schnaase trotzdem keine spätere Entstehungszeit zu als das 13. Jahrhundert. B. G r u e b e r, ein deutscher, in den Jahren 1844 bis 1874 als Professor an der deutschen Technischen Hochschule in Prag wirkender Architekt, betrachtet den Bau eingehender7 und da er die Bauten der böhmischen Frühgotik gründlicher kennt, kann er bessere Vergleiche ziehen, wodurch er zu einer ein wenig abweichenden Ansicht gelangt, indem er die Entstehung der Synagoge in die ersten Jahre der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts ansetzt. Den architektonischen Charakter des Baues mit den böhmischen Bauten aus der Zeit Wenzels I. und Pfemysl Ottokars IL vergleichend, also vor allem mit den Bauten und dem plastischen Dekor des Prager Agnesklosters und der Klöster in Hohenfurth und Goldenkron, gelangt er zu seinem Schluß auf Grund objektiven Kennens der Entwicklung der Architektur und der Bauplastik der Frühgotik, die in der Synagoge durch die Formung der Pilaster, der Kapitale und ihrer plastischen Verzierung bezeugt ist. Bei diesem seinem Schluß bleibt er auch später,8 mag er eventuelle, vom Ritus vorgeschriebene und begründete Abweichungen zugeben. . Für eine etwas ältere Zeit, d. h. für das zweite Viertel des 13. Jahrhunderts entschied sich auch einer der ersten tschechischen Kunst- 64 2

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