Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 60)
- Language
- German
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Die Altneusynagoge in Prag. Von Dr. Zdenka Münzer. Die Altneusynagoge im Lichte der bisherigen Ansichten. Zu den ersten, die über die Synagoge geschrieben haben, gehört der erste böhmische Topograph des 18. Jahrhunderts J. S. S c h a 11 e r.1 Indem er von der Grabinschrift auf dem angeblich aus dem Jahre 606 stammenden Grabstein der Sarah, Weib Josefs auf dem Prager alten jüdischen Friedhof ausging, hielt er es für bewiesen, daß die Juden nicht nur schon 71 Jahre vor der Ankunft der Slawen nach Böhmen im Lande gelebt haben, sondern daß sie hier auch schon eine Synagoge hatten. J. M. Schottky, ein deutscher, etwas späterer Topograph (er lebte in der Zeit von 1794), Autor nicht sehr kritischer und im ganzen unverläßlicher Kompilation, schenkt der Nachricht Schallers nicht viel Glauben,2 sie scheint ihm sogar unsinnig, aber man kann ihm kaum einen Vorwurf daraus machen, daß er die Entstehung der heutigen sogenannten „Altneuschule" in die Jahre 1150—1200 oder später setzt. Er sieht in ihr einen schönen gotischen Bau mit noch kenntlichem Einfluß des byzantinischen Stiles. Eine Geschichte, welche die Entwicklung des künstlerischen Schaffens vertreten würde, gab es zu seiner Zeit noch nicht, einzelne Kunstwerke wurden höchstens aufgezählt, es wurde von einzelnen referiert, ohne daß ihre Beziehungen zueinander und zum kulturellen Leben überhaupt beachtet wurden. Im Jahre 1855 erschien in Prag ein später viel gelesenes und einigemal neu herausgegebenes Büchlein D. J. Podiebrads. des Kustos des Prager alten jüdischen Friedhofes, und des Prager jüdischen Lehrers B. Foges;8 sie behandeln mit großer Liebe und Pietät, aber unkritisch die Geschichte des Prager Ghettos. Wir lesen hier, wie schwer die nähere Bestimmung der Altaeuschul, der „Mutter" aller Prager Synagogen, ist. Nachrichten gibt es nicht, und „ebensowenig ist ihre architektonische Physiognomie ein zuverläßliches Orakel,--denn Stil, Konstruktion, Verzierungen und andere mehr oder weniger wesentliche Bestandteile tragen den Charakter verschiedener Zeiten und sind eher geeignet, die Begriffe zu verwirren, als ein historisches Licht zu verbreiten."4 Das unrichtig gelesene, später beseitigte Chronostikon auf der Nordwand verführte die Autoren zu der Meinung, daß die Synagoge zum ersten Male im Jahre 592 n. Chr. gebaut worden ist; die Benennung alt-neu ging nach ihnen auf einen Umbau entweder nach dem t 63