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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1932-01-01 · 4 (1932) · page 51

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
4 (1932)
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 51)
Language
German
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IRI
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mals zumeist ihren Städten und nicht den Ghettogemeinschaften zugewandt war, erhielten schon während des Krieges und aus Gründen, die mit ihm in »engstem Zusammenhang standen, wichtige kaiserliche Privilegien, denen in rascher Aufeinanderfolge auch solche der Grundherren folgten. Das erste und wichtigste kaiserliche Privileg, dessen sich die Juden Mährens erfreuen konnten, sicherte ihnen und ihren Waren nicht nur völlige Freizügigkeit zu (1629),188 sondern eröffnete ihnen die seit der Austreibung versperrt gewesenen Jahrmärkte in allen königlichen Städten. Wenn wir in Betracht ziehen, daß gerade diese Märkte in den größten Städten des Landes, deren Zahl je ein halbes Dutzend im Jahr betmg, die wichtigsten waren und die größten Warenumsatzmöglichkeiten boten, werden wir auch die verzweifelte Gegenwehr verstehen, die von allen königlichen Städten gegen diese ihre Privilegienschmälerung ausgegangen ist. Aber nicht nur die vielen und großen Jahrmärkte in diesen bislang verschlossenen Städten wurden nun mit einem Male für die Juden zugänglich gemacht, sondern auch die kaum weniger wichtigen Wochenmärkte der königlichen Städte, die anderen, d. h. nichtjüdischen Händlern weiterhin verschlossen waren. Diesen außerordentlich wichtigen kaiserlichen Privilegien folgten, wie wir sagten, solche der Grundherren, die die Handelsrechte der einzelnen Judengemeinden in den Schutzstädten auf Kosten der Stadtbürgerschaft wesentlich erweiterten. Während der Ereignisse des Dreißigjährigen Krieges hatten die mährischen Juden vielfach auch die Positionen des städtischen Kleinhandels in all seinen Formen besetzt und um diese Positionen ging nun in der Hauptsache der Kampf der allmählich wieder erstarkenden städtischen Korporationen. Obwohl die Stadträte vollkommen unter dem Einfluß der Zünfte standen und nur das Sprachrohr für ihre monopolistischen Wünsche bildeten, konnten die Juden, die nunmehr an vielfachen Privilegien eine starke Stütze besaßen, nicht mehr wie früher aus dem Stadthandel ausgeschaltet und nur auf die Jahrmarktfreiheiten verwiesen werden. Unter den heftigsten Kämpfen, die in dieser Periode ihren Höhepunkt erreichten und oftmals von Seiten der Städte mit brutalster Gewalt geführt wurden, gewannen die Juden Schritt für Schritt an Boden. In ihrer Hand konzentrierte sich beinahe vollständig der Handel mit allen Rohstoffen, deren die Handwerker bedurften, mit ihnen verhandelten sie in den Städten, mit ihnen bezogen sie die wichtigsten Wochenmärkte, hauptsächlich in den landesfürstlichen Städten, aber auch die Jahrmärkte. Sie brachten aber auch aus anderen Ländern diese Rohmaterialien ins Land, Rohstoffe, die im Lande selbst nicht hervorgebracht oder nicht in genügender Menge und Wohlfeilheit erzeugt wurden. Wir denken da an rohe Leinwand, Honig, rohe Häute, Unschlitt, Wachs, Wolle, Hanf, Roßhaare, Farb- 54 48

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