Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 50)
- Language
- German
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treiben. Dort, wo Geld geliehen und Waren an Zahlungs Statt angenommen und wo gegen kreditierte Rohstoffe bestimmte Quantitäten an Fertigwaren geliefert wurden, sehen wir die sehr bedeutungsvollen, wci»n auch in dieser Periode noch bescheidenen Anfänge des Verlagssystems, jener Produktionsform, deren sich die mährischen Juden schon frühzeitig bedienten und die, bewußt ausgebaut und organisiert, eines der hauptsächlichsten Mittel wurde, mittels dessen sie den schweren Kampf gegen die Städte nicht nur bestehen, sondern, wie wir sehen werden, siegreich beenden konnten. Wenn wir noch der Tatsache Erwähnung tun, daß in dieser Periode viele Rohprodukte des Landes nicht nur auf die mährischen Märkte, sondern auch auf diejenigen anderer Länder (Linz, Breslau u. a.) von den jüdischen Händlern gebracht wurden, so können wir die Skizzierung dieser Periode der vorherrschenden Stadtwirtschaft beenden und müssen uns nur nochmals vor Augen halten, daß diese Teilung im Betrieb der Wirtschaftstätigkeiten nicht das Produkt einer friedlichen Auseinandersetzung und Rollenverteilung war, sondern in harten und schweren Kämpfen erreicht wurde; Kämpfen, in denen sich die Organisationen der städtischen Wirtschaften gegen die andrängende Konkurrenz der Juden noch bewährten, während es den Juden trotz der beinahe völligen Ausschaltung ihrer Konkurrenz doch gelungen war, in wichtigen Gebieten Fuß zu fassen: dem Rohstoffhandel, don) Luxuswarenhandel und dem von ihnen bescheiden begonnenen Verlagsystem. Dies die Ergebnisse, die wir zur knappen Schilderung der dritten und letzten Periode mit hinübernehmen wollen. Dritte Periode. Entscheidende Bedeutung im weiteren Verlauf dieses Wirtschaftskampfes muß den Folgen des Dreißigjährigen Krieges, der gegenreformatorischen Maßnahmen und zuletzt den Einfällen und Verwünstungen der Türken, Tataren und Ungarn in Mähren (1603 bis 1709)187 zugesprochen werden. Diese Ereignisse vermochten es, das ganze Land zu verwüsten, die Städte des Großteils ihrer Bürgerschaft zu entblößen, alte Gewohnheiten und Rechte außer Kraft zu setzen, kurz all das, was bisher dem Vordringen des jüdischen Handels als unübersteigbare Bollwerke entgegengestanden war, zu schwächen und zeitweise ganz wirkungslos zu machen. Während des Krieges selbst vermochten es die Juden Mährens, den ganzen Handel des Landes an sich zu reißen, standen ja die zumeist protestantischen Städte unter dem schweren Druck der vielfach in ihr Wirtschaftsleben eingreifenden gegenreformatorischen Maßnahmen der Obrigkeiten. Ein beträchtlicher Teil des städtischen Gewerbe- und Handelsstandes verließ damals für längere Zeit oder für immer das Land. Die Juden, die während der zweiten Periode beinahe ausschließlich den Verordnungen und Verfügungen ihrer Grundherren unterstanden waren, deren Pivilegienpolitik aber da- 47 58