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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1932-01-01 · 4 (1932) · page 47

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
4 (1932)
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 47)
Language
German
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ja auch die Menge der von ihm produzierten Güter beschränkt und die Qualität im vorhinein bestimmt war, so erhielt die Juden die Wohlfeilheit der von ihnen gehandelten Güter, die sie teils durch Absenken der Qualität oder den Verzicht auf einen größeren Nutzen — meistens durch beides —7 zum Teil aber durch die frühzeitige Herausbildung eines für Mähren neuartigen Herstellungsprozesses ihrer Waren erzielten. Hatte schließlich der wohlhabend gewordene bürgerliche Gewerbetreibende die Möglichkeit, Felder und Wirtschaften in den Vorstädten oder außerhalb der Stadt zu erwerben, brauberechtigte Häuser in der Stadt anzukaufen, so mußte der Jude alles Erworbene immer wieder dem Handel allein zuführen, da ihm ja jegliche Art von Immobilienbesitz verwehrt war. Größere Gegensätze in den Vorbedingungen waren kaum möglich. Es war ein Kampf zwischen verschieden tendierenden Kräften, in welchem die Stadtbürger das statische, die Juden das dynamische Element repräsentierten: die Prinzipien einer enggefügten Wirtschaftsordnung und ihres geraden Gegenteils — eines ungebundenen Wirtschaftsablaufes, standen im Widerstreit. Auf der einen Seite stand die Gewalt, auf der anderen wurden Waffen verwendet, die befähigten, der Gewalt nicht nur zu widerstehen, sondern sie schließlich zu brechen. Der Kampf tobte im ganzen Lande, in jeder Stadt, die ein Ghetto beherbergte, in den größeren heftiger als in den kleinen — er bestimmte das Verhältnis beider Parteien zueinander bis tief in das 19. Jahrhundert hinein, bis zur gesetzlichen Verkündung der Gewerbefreiheit. Der oben in seinen Umrissen geschilderte Kampf bildet den Grundzug allen wirtschaftlichen Geschehens in den mährischen Städten von der Mitte des 15. bis tief in das 19. Jahrhundert hinein, sagten wir; in seinem Ablauf lassen sich aber zwei voneinander verschiedene Zeiträume feststellen, innerhalb deren die Stellung der Juden im Wirtschaftsleben des Landes, also in der Vielzahl der einzelnen Städte, durchaus nicht gleichartig gestaltet war. Wir hoben schon früher diese beiden Perioden voneinander ab und nannten die bis zum Dreißigjährigen Kriege ungefähr währende im Wirtschaftsdasein der mährischen Juden die zweite: eine unter der Vorherrschaft der Stadtwirtschaften stehende. Wir wollen uns nun dieser zweiten Periode wieder zuwenden, nachdem wir in der Skizzierung des Wirtschaftskampfes auch die dritte bereits auf die ihr zugrunde liegende Urformel gebracht haben. In der zweiten Periode, in der die städtischen Organisationen noch stark und vollkommen intakt waren, oftmals erst ihre vollste Ausbildung gewannen und an ihren Grundherren jederzeit den notwendigen Schutz bei der Wahrung ihrer Interessen fanden, war die Stellung der Juden sehr schwierig. Jeder Versuch, mit den städtischen Gewerblern und Händlern in Konkurrenz zu treten, wurde im Keime unterdrückt und 50 44

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