Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 43)
- Language
- German
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Periode ausführten, durch die Konsolidierung der Verhältnisse, die während der ersten Periode im Stadium des Übergangs, der Umbildung begriffen gewesen waren, in ihren Ausmaßen geringer wurde. Immerhin spielte die jüdische Geldleihe auch jetzt noch eine nicht unerhebliche Rolle und wir werden noch öfter auf sie zur Erklärung bestimmter Vorgänge zurückgreifen müssen. Sie hatte aber in dem jetzt zur Untersuchung stehenden Zeitaum an Bedeutung eingebüßt; die Stadtwirtschaften, die zur Zeit ihrer allmählichen Entstehung des jüdischen Geldleihers nicht entbehren konnten, benötigten ihn jetzt, da sie in den selbst gezogenen Grenzen funktionierten, weit weniger, und nicht intensiv genug, als daß die vielen Ghetti des Landes auch weiterhin zum überwiegenden Teil (wir wissen, daß in der ersten Periode auch Warenhandel durch Juden betrieben wurde) auf diesen Erwerbszweig gestützt, hätten existieren und ihre verschiedenartigen Abgaben entrichten können. Auch ging ihnen, wie wir wissen, um die Mitte des 16. Jahrhunderts ein Teil der Landbevölkerung wahrscheinlich verloren und das ganze Leihe Verhältnis, der Leihe verkehr dürfte schon deshalb in seiner Intensität nachgelassen haben, weil die Sicherheiten, die dem jüdischen Gläubiger (seit der L. O. v. 1545) zur Verfügung standen, weit geringer waren als vorher. Hatten wir für die erste Periode mit Kecht sagen können, daß die Geldleihe als Hauptbeschäftigung an der Spitze der jüdischen Wirtschaftsbetätigungen gestanden war und dann erst der Warenhandel und die Regalienpacht kamen, so mußte sich aus den oben angezeigten Gründen dieses Verhältnis in der zweiten sowie in der dritten Periode vollkommen ändern. Je mehr die Stadtwirtschaften erstarkten und ihre auf eine vollkommene wirtschaftliche Autarkie hinzielenden Organisationen sich kräftigten, desto überflüssiger und störender erschien das jüdische Element. Die königlichen Städte Mährens griffen, als bei ihnen dieser Stand erreicht war, zu denselben Mitteln, wie viele Städte der meisten Länder, und schlössen die von den Stadtwirtschaften als Fremdkörper empfundenen Juden aus. Die Ausgetriebenen wurden nun nicht etwa von den übrigen Städten des Landes aufgenommen, sondern von den Grundherren, in deren Schutz oder Untertänigkeit sich die meisten Städte und Städtchen Mährens befanden. Aus einer kleinen Zahl sich schließender Wirtschaftskörper ausgestoßen, wurden die Juden nun in eine Vielzahl, denselben Prozeß der Schließung beendenden Wirtschaftskörper eingesprengt. Nur aus der vollen und richtigen Erkenntnis dieses Eingesprengtseins in festgefügte wirtschaftliche Einheiten, als welche uns die Städte jener Jahrhunderte entgegentreten, und des diesem Zustand entspringenden Kampfes: um die Existenz auf Seiten der Juden und um die Erhaltung und Verteidigung des auf Grund von Privilegien 46 40