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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1932-01-01 · 4 (1932) · page 41

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
4 (1932)
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 41)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644307--1500-2645844
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Handwerker und Kleinhändler ist schwer zu ziehen. Jedenfalls rangierte der jüdische Gewerbestand in der sozialen Staffelung der mährischen Ghetti recht tief. Diese Tatsache beweist auch die Stellungnahme der jüdischen Landessynode (Waad) von Mähren, die die Frage, ob „Fleischer, Gerber und was dergleichen mehr verächtliche Professionisten seyn" zu Deputierten gewählt werden dürfen, verneinte; erst 1709 wurde dieser Beschluß dahin abgeändert, daß ausnahmsweise solche Gewerbler, die in ihren Gemeinden Ämter bekleiden, Deputierte werden könnten.174 Die Ghettogemeinschaften sahen also im jüdischen Handwerk durchaus keine „Hebung des sozialen Niveaus". Wenn wir selbst abschließend nach dem Ursprung fragen wollen, so müssen wir außer den weiter oben angeführten Möglichkeiten noch beachten, daß die Juden Mährens und diejenigen Polens in stetem und intensivem Verkehr standen. Wir wissen, daß dort das jüdische Handwerk frühzeitig blühte, besonderen Zuzug aber im 16. Jahrhundert erhielt, als der jüdische Handel durch die christlichen Kaufleute und Handwerkerzünfte eingeengt wurde. Und zu dieser Zeit findet man in Polen und Litauen all jene Gewerbearten unter den Juden vertreten, die etwas später auch in den mährischen Ghetti anzutreffen sind und deren Ursprung man sich nicht erklären konnte. Unter vielen anderen gab es dort Waffenschmiede, Steinmetze, Buchbinder, Gerber, Riemer, Drechsler, Gold- und Perlsticker, Mützenmacher, Seifensieder, Knopfmacher, Schneider, Kürschner u. a.175 Eben dieselben sind es, die wir an anderer Stelle für Mähren aufzählen konnten. (Vgl. weiter oben.) Waren die Beziehungen zwischen mährischen und polnischen Juden schon in friedlichen Zeiten rege (vor der Austreibung aus Znaim finden wir dort Juden ansässig, die aus Polen stammen),176 so wurden sie noch inniger, wenn es zu Ausweisungen oder Pogromen kam. Und an solchen Ereignissen ist die Geschichte der Juden Polens nicht arm. So erfolgte 1495 eine Ausweisung der Juden aus Krakau (im selben Jahre aus Litauen), 1542 aus Sambor, 1555 aus Bromberg, 1569 aus Biecz, 1598 aus Krosno und einer Reihe anderer Städte.177 Ein nicht unbeträchtlicher Teil der vertriebenen Judenschaft kam nach Böhmen und Mähren (auch während der Ereignisse im 17. Jahrhundert) und brachte die gewerblichen Kenntnisse mit sich. Unserer Ansicht nach müssen wir weiterhin nach dem Ursprung des jüdischen Handwerks in Mähren nicht mehr suchen. * Wir unterbrachen unsere Darlegung über die wirtschaftlichen Verhältnisse der mährischen Juden in der zweiten, bis zum Dreißigjährigen Kriege währenden Periode, um die Frage zu klären, wie sich die 44 38

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