Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
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(1592), Schuster (1591), Färber (1585),169 Zimmerleute,170 Hufschmiede, Messerer, Scheidenmacher, Hafner, Näherinnen. Außerdem gab es noch Satzungen für die Ausgeber, Einkäufer, Weinzirl, Meierleute und Kellner.171 Wir sehen also, daß jede ihrer Betätigungen in festen, vorgeschriebenen Bahnen verlief und nur in diesen verrichtet werden durfte. Die Annahme, daß die mährischen Juden in den Brüderhäusern Handwerke erlernt haben konnten, verliert hiedurch den letzten Rest von Wahrscheinlichkeit.172 Es ist daher nicht mehr notwendig, auf die Tatsache hinzuweisen, daß sich Juden und Wiedertäufer bei politischen Konflikten in den entgegengesetztesten Lagern befanden. Bei der böhmischen Rebellion standen die Wiedertäufer „ausnahmslos auf Seiten der rebellierenden Stände. Es war das gerade Gegenteil des Standpunktes der Juden", denen noch nach Jahren der Kardinal Dietrichstein beim Kaiser das Zeugnis ausstellte, daß sie während der ganzen Rebellion in Mähren dem Kaiser Treue bewahrt hatten.173 Wir können also die ganze Auseinandersetzung über den Ursprung des jüdischen Handwerks in Mähren beschließen und zusammenfassend konstatieren, daß weder ländliche Pfuscher, noch Städte mit mährischen Brüdergemeinden, noch schließlich die Wiedertäufer irgend welchen Einfluß auf die Entstehung, Entwicklung und Richtungnah me des Ghettohandwerks genommen hatten. Wir haben uns bereits über die Stellung, die das jüdische Handwerk in der gesamten Wirtschaftstätigkeit der Juden Mährons einnimmt, geäußert. Von Anfang an, zumindest aber von der Zeit der zünftigen Abschließung des städtischen Handwerks auf die Glaubensgenossen beschränkt, konnte es niemals weiteren Umfang annehmen. Seinen Wirkungskreis durfte es nur dann und nur dort außerhalb die Ghettomauern verlegen, wo eine bestimmte Gewerbeart in der Stadt selbst nicht vertreten war. Da die mährischen Ghetti aber im Vergleich zum Prager Ghetto, das eine relativ große Zahl eigener Handwerker beschäftigen konnte, klein waren, mußte der jüdische Handwerker in Mähren, dem im eigenen Wirkungsbereich nur ganz beschränkte Möglichkeiten geboten waren, bald trachten, andere Wege einzuschlagen. Er begann frühzeitig auf Vorrat zu produzieren, respektive durch Pfuscher produzieren zu lassen (z. B. die jüdischen „Schneider") und mit diesen kleinen Vorräten Märkte anderer Städte aufzusuchen. In den meisten Fällen wurde er Händler kleinen Maßstatbs, der wohl auch selbst produzierte, meistenteils aber durch städtische oder auch ländliche Pfuscher seinen Marktvorrat herstellen ließ. Zuweilen finden wir ihn auch als Hausierer auf dem Lande. Die Grenze zwischen wirklichem 37 43