Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 37)
- Language
- German
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Arbeit der Wiedertäufer zu bedienen. Schon früher waren einige einschränkende Beschlüsse erlassen worden. So über den Wolleinkauf, der nur noch in den königl. Städten oder auf den Höfen der Grundherren geschehen durfte, über den Getreideeinkauf außerhalb der Märkte, der verboten wurde, über den Weinausschank in den Haushaben155 u. a. m. Immer wieder fanden sie aber an den Grundherren, deren politische Anhänger sie waren, den nachhaltigsten Schutz sowohl gegen die Haubsburgerherrscher, die sie unzähligemal vertreiben wollten und denen es außer in Mähren auch oftmals gelungen war, als auch gegen die Bevölkerung der Städte. Schließlich ereilte die mährischen Wiedertäufer doch ihr Schicksal: durch kaiserliches Patent vom 17. November 1622 wurden sie des Landes verwiesen — verließen es auch zum allergrößten Teil und siedelten sich zumeist in der Slowakei und in Ungarn an, woher noch viele ihrer Erzeugnisse auf die mährischen Märkte kamen.156 Nach diesem ganz allgemeinen und flüchtigen Überblick über die Tätigkeit der Anabaptisten in Mähren, wobei wir uns bemühten, nur das Wesentlichste hervorzuheben, wollen wir nun versuchen, ihre Stellung zu den Juden zu fixieren und die Möglichkeit prüfen, ob ihr Handwerksbetrieb wirklich in irgendeiner Weise auf den der Juden einwirken konnte. In ihrem äußeren Schicksal hatten beide, Wiedertäufer und Juden, vieles gemeinsam. Beide wurden wegen ihres Glaubens grausam verfolgt, beiden ist der Märtyrertod nicht fremd. In Mähren erfreuten sich Juden und Wiedertäufer relativer Ruhe und des Schutzes der Grundherrschaften vor den Ausweisungsplänen der Kaiser. Von den Städten aber wurde beiden die Behinderung der „Nahrung" zum Vorwurf gemacht und gleichermaßen wurden sie als außerhalb der allein gültigen Wirtschaftsordnung stehende Eindringlinge und Ketzer gehaßt. Beiden gemeinsam war schließlich das Festhalten an der Bibel als dem überlieferten Gotteswort. Bekannt sind die engen Beziehungen, die sich im Reformationszeitalter zwischen manchen christlichen Sekten und dem Judentum herausgebildet haben, bekannt ist besonders die judenfreundliche Einstellung der Puritaner in England zur Zeit der Verhandlungen über die Rückkehr der Juden.157 Das Alte Testament wurde eifrig gelesen und Puritaner und englische Wiedertäufer schlagen sogar die Thora als Ersatz für die englischen Staatsgesetze vor. Es war aber ein kurzer Rausch, bei dem außer dem Protest gegen die Staatskirche besonders die Hoffnung auf die Bekehrungsmöglichkeit der zurückerwarteten Juden mit eine große Rolle spielte. Kaum waren sie im Lande, als auch schon eifrigst gegen sie agitiert wurde, Beschwerden, wie überall anders erhoben wurden und von einer Gleich- 40 34