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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1932-01-01 · 4 (1932) · page 36

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
4 (1932)
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 36)
Language
German
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IRI
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Sitze hatten; zur Zeit der Vertreibung (1622) waren es 24.148 Sie kannten (zumindest in der Zeit ihrer Blüte) kein Privateigentum und -Vermögen und es war ihnen von den Vorstehern untersagt, „Kramereien und Kaufmannschaft unter sich zu treiben"149 (Art. V). In ihren Werkstätten, die mustergültig organisiert waren, wurde alles erzeugt, „was zum Nutz der Menschen dient" (Art. VIII.), aber keineSchwerter oder sonstigen Waffen. Die in ihren Werkstätten erzeugten Messer und Scheren, Linnen und Tücher zählten zu den besten des Landes. Aber auch Tischler, Böttcher, Wagner, Seiler, Gerber, Metallarbeiter und viele andere vereinigten sich zu gemeinsamem Gewerbebetrieb. Hauptsächlich pflegten sie das Kunstgewerbe, für dessen Erzeugnisse der Adel des Landes das lebhafteste Interesse zeigte. Besondere Kunstfertigkeit wird ihnen auf dem Gebiet der keramischen Erzeugung nachgesagt. Ihre Produkte zeichneten sich aber nicht nur durch die Feinheit und künstlerische Ausführung aus, sondern auch durch die ganz besondere Billigkeit, so daß das von ihnen erzeugte Geschirr beispielsweise nicht nur in Adels-, sondern auch in allen anderen Volksschichten Aufnahme fand.150 Außer dem Betrieb gemeinsamer Werkstätten arbeiteten sie aber auch an den Höfen der mährischen Landherren. Aus ihren Reihen wählten diese mit Vorliebe ihre Gutsverwalter sowie die Leiter von Mühlen, in deren Konstruktion die Wiedertäufer sich eines besonderen Rufes erfreuten; sie standen an der Spitze der Weinbergverwaltungen u. ä. Gesucht waren die wiedertäuferischen Menschen- und Tierärzte. Für den hohen und niederen Adel arbeiteten die Anabaptisten als Wagenmacher, Baumeister, Mühlenbauer, Uhrmacher u. v. a. Neben Massenartikeln, wie ihr Glas- und irdenes Geschirr, erzeugten sie hauptsächlich Luxusgegenstände oder Gebrauchsgegenstände in luxuriöser Ausführung.151 Nachdem die Materialien für die verschiedenartigsten Werkstätten nicht einzeln durch jeden Gewerbetreibenden besorgt, sondern von den „Einkäufern" in großen Mengen angeschafft und dann durch die „Ausgeber" an die einzelnen Werkstätten verteilt wurden und jeder persönliche Gewinn in Fortfall kam, also das Produkt sich außerordentlich billig gestaltete, verursachten die wiedertäuferischen Handwerker dem Gewerbestand des Landes die schärfste Konkurrenz.152 Schon um die Mitte des 16. Jahrhunderts (1544) beschwerten sich die Städte darüber, daß sie den Handwerkern „das Brot vom Mund abschnitten",153 und im Jahre 1600 ist sogar „groß geschrey angangen in Märhern, wie sich die Brüeder über die massen im landt hauffen vnd mit iren handwerk den Städten vnd Flecken nicht geringen schaden vnd Abpruch an irer Narung tuen".154 Es ist daher die Aufrichtung neuer Haushaben untersagt, den Grundherren aber gestattet worden, sich auch weiterhin der 33 39

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