Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
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unität war.141 Es ist daher sehr zu bezweifeln, ob das jüdische Handwerk sich wirklich dort einer besonderen Förderung zu erfreuen hatte* wo es sich inmitten einer akatholischen Bevölkerung zu betätigen suchte. Auch die dritte und zuletzt aufgestellte Behauptung über den Ursprung des jüdischen Handwerks in Mähren wendet sich an eine akatholische Sekte: die Wiedertäufer, welche während eines Jahrhunderts in Mähren gewirkt hatten. Es wird gesagt, daß die Juden dieses Landes Gelegenheit gehabt hatten, das wiedertäuferische Handwerk aus nächster Nähe kennen zu lernen und daß diese Nachbarschaft „einen außerordentlichen Einfluß auf die Entstehung und Entwicklung des jüdischen Gewerbes4' ausgeübt hatte. Im Gegensatz zum jüdischen Handwerk des Prager Ghettos, das an den Kunstbetrieb der Stadt Anschluß gefunden habe, ging es in Mähren unter dem Einfluß der Wiedertäufer „von den Bedürfnissen des Landes und der Landbevölkerung aus, an die sich der jüdische Produzent fast ausschließlich wandte".142 Weiterhin wird angenommen, daß die Juden geradezu als Schüler der Wiedertäufer zu betrachten seien143 und daß sie schließlich ihren Lehrmeistern in der Ausübung des Handwerks „scharfe Konkurrenz" bereiteten.142 Diese Behauptungen sind so neuartig, daß wir uns veranlaßt sehen, ihnen auf den Grund zu gehen und sie einer genaueren Betrachtung zu unterziehen. Die Wiedertäufer, eine sowohl von den Katholiken, als auch den Reformierten besonders verfolgte Sekte, überschwemmten nach 1525, von der Schweiz kommend, ganz Tirol, die beiden Österreich und das südliche Mähren,144 in welch letzterem sie sich durch fast hundert Jahre besonderer Duldung und Förderung mächtiger Grundherren erfreuten. In der Umgegend von Nikolsburg, Lundenburg, Austerlitz und anderer südmährischer Städte ansässig,145 haben sie durch ein Jahrhundert den Kommunismus im Sinne der ersten Christengemeinde praktisch geübt.146 Die Gemeindemitglieder wohnten gemeinsam in den den Wiedertäufern zugewiesenen oder von ihnen erworbenen Höfen, den sogenannten Haushaben (Habaner). Diese Haushaben beherbergten, außer den notwendigen Wohnräumen für alle Gemeindemitglieder, die sich eines besonderen Rufes erfreuenden Werkstätten der verschiedensten Art. Da sie wenig Boden besaßen, waren sie hauptsächlich gewerblich tätig, obwohl sie auch über ausgezeichnete Kenntnisse im Weinbergbau verfügten. Es waren Landesfremde, die ihre Kenntnisse und Fähigkeiten aus ihrer kulturell höher stehenden Heimat mitgebracht hatten.147 Vom Adel des Landes begünstigt und verwendet, vermehrten sie die Zahl ihrer Haushaben rasch. Nach wenigen Jahrzehnten ihres Aufenthaltes in Mähren gab es (1545) bereits 21 Orte, in denen sie ihre eigenen 38 32