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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1932-01-01 · 4 (1932) · page 34

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
4 (1932)
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 34)
Language
German
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IRI
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jüdische Handwerk nicht behindert hätten. Als Beleg hiefür wird die Gemeinde Eibenschitz angeführt, wo im Jahre 1608 ein „Vaclav 2id" verstorben war, der die Töpferei betrieb und ein Vermögen von 1699 Fl 13 Gr. hinterlassen hatte. Aus dem Umstand, daß dieser mäßig begüterte Mann Töpfer war, was übrigens nach dem Sprachgebrauch der Zeit noch nicht beweist, daß die Töpferei als Gewerbe wirklich von ihm ausgeübt wurde, wird geschlossen, daß das jüdische Handwerk auch zur Vermögensbildung führen konnte (es war „doch mehr als ein bloßer Bettel");131 hiebei wird aber übersehen, daß sich in dem zitierten Nachlaß135 außer „Skarnitzeln und Geflügel" im Werte von 30 Fl 6 Gr. auch ein erheblicher Weinvorrat vorfand; es waren 6 Faß und 4 Eimer Wein verschiedenen Alters für 200 FL Weder die Menge des Geflügels, noch die des Weins läßt die Annahme des eigenen Hausgebrauchs zu; unserer Ansicht nach wird „Vaclav Zid" vielleicht auch selbst Töpfe hergestellt haben, wahrscheinlicher ist aber, daß er Geschirrhändler war, denn gerade um die Wende des 16. Jahrhunderts verdrängte in unseren Ländern das irdene Tischgeschirr zinneres136 und gerade in dieser Stadt war die Tonwarenerzeugung früh entwickelt.137 Sicher war er aber Wein- und Geflügelhändler, wie die Nachlaßaufnahme zeigt.138 So wenig von Belang dieser Fall an und für sich auch ist, es wird aus ihm auf die Stellung der Brüdergemeinden zu den Juden geschlossen: ein jüdischer Töpfer konnte in Eibenschitz, einem ihrer Hauptsitze im 16. und 17. Jahrhundert bestehen und ein Jude und ein Christ wurden mit der Einhebung der Wochenmarktabgaben betraut. Dies die ganze Schilderung ihrer Situation in einer der Brüdergemeinden. Außer Eibenschitz gab es noch zwei Zentren in Mähren: Prerau und Proßnitz.189 Bleiben wir bei der zuletzgenannten Stadt. Hier war die mährische Brüdergemeinde zu besonderer Blüte gelangt. Von der Obrigkeit geschützt, wurde die Stadtpfarre mit Predigern aus dem Kreise der Brüder besetzt, hier wurden nicht weniger als sechs Synoden abgehalten, ein eigenes Brüderhaus errichtet, Schulen angelegt, und in Proßnitz entstand eine bedeutende Druckerei, die wichtigste der Brüdergemeinden des Landes.140 Der Großteil der Stadtbevölkerung, hauptsächlich die Handwerkerzünfte, gehörten dieser Sekte an. Und gerade zur Zeit ihrer höchsten Blüte, während des 16. Jahrhunderts, wurde der Nahrungsspielraum der Proßnitzer Juden immer weiter eingeengt, Privileg um Privileg gegen den jüdischen Handel erlangt und schließlich im Jahre 1575 die Austreibung der Juden gefordert. Durch zehn Jahre mußten die Juden einen opfervollen Kampf führen, um in der Stadt verbleiben zu dürfen, die eine Hochburg der mährischen Brüder- 31 37

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