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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1932-01-01 · 4 (1932) · page 31

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
4 (1932)
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 31)
Language
German
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sind nur nicht überschätzt und auf ein Piedestal erhoben worden, das ihrer Bedeutung niemals entsprochen hat. Es wird behauptet, daß es jüdische Gewerbearbeit bis zum Ende des 15. Jahrhunderts überhaupt nicht gegeben habe, da die „allmächtigen Zünfte" der Städte das Aufkommen einer solchen sofort unterdrückt hätten.126 Erst nach den Austreibungen hätten die Juden die Möglichkeit gehabt, unter dem Schutz der Grundherrschaften „im Versteck des Dorfes und der Kleinstadt"129 von den dort ansässigen Pfuschern verschiedene Handwerke zu erlernen. Es wird weiter behauptet, daß sich der jüdische Handwerksbetrieb in Städten, die Sitze böhmisch-mährischer Brüdergemeinden waren, ungehemmt entfalten konnte und vereinzelt zur Blüte gelangte.130 Weiterhin, daß die in Mähren sich besonderer Duldung erfreuenden Wiedertäufer auf die Entstehung und Entwicklung sowie auf die Richtung des jüdischen Handwerks ausschlaggebenden Einfluß gewannen.131 Es sei zuerst die an die Spitze gestellte Behauptung untersucht. Es wird also gesagt, daß es bis an das Ende des 15. Jahrhunderts in Mähren kein jüdisches Handwerk gegeben habe, weil die Zünfte der Städte es gewaltsam unterdrückt hätten. Erst nach der Austreibung, eigentlich nach Erlassung der Bauernordnung von Loucany (1525) hätten die Juden, die nach einer Möglichkeit suchten, im Lande bleiben zu können, im „agrarischen Herrschaftsbereich" von Pfuschern und Dorfhandwerkern in Kleinstädten und Dörfern Handwerke gelernt und nun ihrerseits die „lang vernachlässigten Produkte des Landes besser verwerten" gelehrt.129 Es wird gesagt: „Nein, solange die Juden in Städten lebten, konnten sie gar nicht daran denken, ein Handwerk zu treiben. Erst im Versteck des Dorfes und der Kleinstadt . . . durfte man die notwendige Schulung gewinnen..." Aus dieser Behauptung geht fürs erste hervor, daß angenommen wird, die Juden hätten in der ersten Periode ausschließlich in den königlichen Städten gewohnt, und fürs zweite, daß nur die Zünfte dieser Städte die Macht gehabt hätten, ein eventuell beginnendes jüdisches Handwerk im Keime zu ersticken. Weiter oben haben wir schon ausgeführt, daß die Judensiedlungen in den königlichen Städten wohl die bedeutsamsten, keineswegs aber die einzigen dieser Periode gewesen waren; im Gegenteil: die Zahl der Schutzstädte, die vor der Mitte des 15. Jahrhunderts Juden aufwiesen, überstieg bei weitem die der landesfürstlichen Städte. Sicherlich hat es überall dort, wo es zur Bildung von Judengemeinden gekommen war, also sowohl in königlichen, als auch in Schutzstädten Vertreter des rituellen Handwerks gegeben: Fleischer, Bäcker, Schneider und Bader. Diese Gewerbearten waren selbstverständlich auf den Wirkungskreis der Judengemeinden be- 34 28

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