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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1932-01-01 · 4 (1932) · page 16

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
4 (1932)
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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IRI
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leben. Dieser Zustand findet bereits während, besonders aber nach dem 30jährigen Kriege ein Ende; das Land und mit ihm die Judenschaft tritt in das Zeitalter des Merkantilismus ein, der an den Juden seine eifrigsten Stützen findet. Diese letzte Periode, in der Mitte des 17. Jahrhunderts beginnend, sieht die mährischen Juden wieder in kräftigem Aufschwung begriffen. Überdacht wird dieses Gebäude durch die relativ kleine, aber außerordentlich aktive und bedeutungsvolle Schicht der Heereslieferanten, jenen deutschen Hoffaktoren mährischer Prägung, und die Fabrikantenklasse. Die beinahe tausendjährige ununterbrochene Anwesenheit im Lande, die niemals völlig unterbrochen, eigentlich nur einmal verschoben und damit in der Ausbreitung und Verteilung noch intensiver gestaltet wurde, gestattet die Verfolgung der jüdischen Wirtschaftstätigkeit im Zusammenhange wie kaum in einem anderen Lande. Weder in einem anderen der österreichischen Erbländer, noch in Deutschland ist die faktische Möglichkeit so sehr gegeben, eine jüdische Wirtschaftsgeschichte lückenlos und zusammenhängend zu erbringen wie in Mähren. Wohl muß die Bedeutung der Einzelpersönlichkeit im jüdischen Wirtschaftsleben richtig eingeschätzt und keinesfalls außer acht gelassen werden47 — gedacht ist an die oft mächtigen Gestalten der deutschen Hof juden —, bedeutungsvoller ist aber, daß die Juden Mährens einen wesentlichen, nicht hinwegzudenkenden Bestandteil im Organismus der Volkswirtschaft des Landes ausmachten. Letzteres gilt in gleichem Maße auch für Böhmen und diejenigen Teile von Ungarn, die heute zum Gebiet der Tschechoslowakischen Republik gehören. Die erste Periode, während der sich die Juden Mährens vorwiegend, aber keineswegs ausschließlich in den landesfürstlichen Städten, als den bedeutsamsten Orten des Landes, aufhielten, ist bis heute noch in ein tiefes Dunkel gehüllt. Unsere Kenntnisse über das mährischjüdische Mittelalter werden erst dann erweitert, recht eigentlich begründet werden, bis die im Auftrage der „Historischen Gesellschaft" von Professor Bertold Bretholz angelegte Regestensammlung (bis 1526) vollendet und veröffentlicht sein wird. Bis dahin müssen wir uns mit den mehr als spärlichen und keineswegs immer verläßlichen Nachrichten über diese Frühzeit begnügen. Zu dieser Zeit treffen wir die Juden als Händler, Geldleiher und Regalienpächter an, welch letztere Tatsache uns aus dem Bericht (1273) des Bischofs Bruno von Olmütz an Gregor X. bekannt wird; der Bischof klagt, daß die Juden seiner Diözese sich nicht damit begnügen, Wucher zu treiben und verdächtige Gegenstände zu erwerben, sondern (trotz wiederholter kanonischer Verbote seit dem Jahre 535) auch öffentliche Ämter bekleiden, indem sie Zolleinnehmer und Münzpächter werden.48 13 19

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