Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Juden in diesem Stadium ausgesetzt waren, gingen von der Kirche ans, die lehrte: Nulla salus extra ecclesiam. Solange aber dieser von der Kirche allein getragene Judenhaß vorherrschte, blieb die Situation der Juden erträglich. Von den Kreuzzügen an kam aber zu jener von der Kirche ausgehenden Judenfeindschaft ein weiteres, schwerwiegendes Motiv hinzu: die Konkurrenz auf wirtschaftlichem Gebiete. Erst diese zweite Periode mit ihrem aus zweifacher Quelle gespeisten Haß bringt jene Kette von Metzeleien, Plünderungen und Vertreibungen mit sich, die in den Jahren des „schwarzen Todes" wohl ihren Höhepunkt^ keinesfaUs aber ein Ende finden. Nachdem in diesem Zeitraum die meisten Städte und viele Gebiete von Juden verlassen wurden, kann ein ganz langsames und allmähliches Wiederaufsteigen erst im nachrefo-rmatorisehen Zeitalter wahrgenommen werden. Eine vorsichtige Privilegierung seitens der Landesfürsten setzte einzelne Judenfamilien in sonst verschlossene Städte wieder ein und aus diesen privilegierten Familien gingen danai im 17. und 18. Jahrhundert die für die jüdische Wirtschaftsgeschichte Deutschlands so überaus wichtigen Hof Juden, Hoffaktoren hervor. Ihre Zahl war so groß, daß diese Institution für Deutschland geradezu als typisch bezeichnet werden kann. Ebenso gebrochen, wie die Linie der äußeren Geschichte der Juden Deutschlands, verlief natürlich diejenige der mit ihr verknüpften Wirtschaftsgeschichte. Durch die vielfachen Vertreibungen entstanden Lücken im Gesamtverlauf, verschob sich das Schwergewicht jüdischer Wirtschaftstätigkeit von einem Gebiete zum anderen, um letzten Endes außerhalb des Landes verlegt zu werden. Selbst in den beiden größten Gemeinden, die die Zeit der großen Verfolgungen überstanden hatten, in Frankfurt a. M. und in Worms, wurde die Kette ununterbrochener Seßhaftigkeit gestört. So waren die Frankfurter Juden zur Zeit des Fettmilchaufstandes (1614) auf anderthalb Jahre, die Wormser (1615) auf ein Jahr vertrieben.46 Ganz anders verlief gegenüber diesem vielfach gebrochenen Ablauf die Entwicklung in Mähren. Wohl kennen die Juden dieses Landes die erste, die „goldene" Periode überhaupt nicht, weil sie vor den Kreuzzügen kaum zwei Jahrhunderte, wenn überhaupt ständig, im Lande waren; ihre Zeit der besten Position, der großzügigsten Privilegienerteilungen und des sichtbarsten Aufschwunges begann hingegen im 13. Jahrhundert und endete mit den etappenweisen Austreibungen aus den königlichen Städten im 15. und 16. Jahrhundert. Mit der Verteilung über das ganze Land und der Ansässigmachung in den grundherrschaftlichen, untertänigen Städten beginnt die zweite Periode, die sie, in die bereits festgefügten Gebilde der städtischen Wirtschaftskörper eingesprengt, unter dem Zeichen der sich wehrenden ausgebildeten Stadtwirtsöhaft durch- 18 12