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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1932-01-01 · 4 (1932) · page 13

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
4 (1932)
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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IRI
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Ha/ndwerk sich selbst überließ, zum Bankerott der Judengemeinden am Anfang des 18. Jahrhunderts geführt. Betrachten wir die Einstellung, die die angeführte Arbeit beherrscht, so sehen wir das deutliche Bestreben, das Schwergewicht in der jüdischen Wirtsehaftsbetätigung auf Landwirtschaft und Handwerk -zu legen, und müssen mit Staunen konstatieren, daß wir es hier mit einer Ideologie zu tun haben, die uns aus dem Toleranzpatent Josephs IL wohl bekannt ist. Der Autor hebt z. B. nachdrücklichst hervor, daß die Brünner Judengemeinde im 14. Jahrhundert eine Mühle und Mälzerei mit dazugehörigen Grundstücken besaß,42 daß sich im 17. Jahrhundert in Straßnitz Weinberge im Besitze von Juden bef anden — und schließt aus diesen gänzlich vereinzelten Beispielen, daß also Juden auch in der Landwirtschaft tätig waren. Andererseite sieht er in den bescheidenen Ansätzen eines jüdischen Handwerks den bedeutsamen Beginn einer Autoemanzipation vom Handel. Dünkt ihm doch der Handel, ähnlich wie den Physiokraten, als etwas beinahe überflüssiges und schädliches, jedenfalls aber die Juden belastendes. Und so sucht er sie denn von dem Omen des Nur-Handeltreibens zu entlasten und solcherart zu rehabilitieren. Er möchte die Juden in „rechtschaffenen bürgerlichen" 42 Erwerbszweigen — (bewerbe und Landwirtschaft — tätig sehen. Ähnlich dachte aber Joseph II., als er im Jahre 1782 Bestimmungen erließ (Toleranzpatent), die in der Hauptsache dazu dienen sollten, die Juden dem Handwerk und Ackerbau zu- und vom Handel, dem allein sie oblagen, wegzuführen. Der Kaiser sagte auch ausdrücklich, wtarum er dies versuche: um sie „dem Staate nützlich und brauchbar zu machen".48 Es war also ein staatsschöpferisches Interesse, das den Monarchen bewog, aus den Juden auf seine Art „brauchbare Untertanen" zu machen. Auf seine Art: denn wir müssen dessen eingedenk sein, daß Joseph H. wohl „Merkantilist, daneben aber in widersprechender Weise Physiokrat war".44 Als Merkantilisten mußte ihm daran liegen, dem heimischen Gewerbe neue Kräfte zuzuführen, als Physiokraten lag ihm die Hebung der Landwirtschaft besonders am Herzen, die vorzüglich in der Fruchtbarmachung von neuem Boden bestehen sollte. So wünschte er auch, daß die der Landwirtschaft zuzuführenden Juden „umbearbeitete Feldstücke, und sogenannte Öden" übernähmen.45 Als Physiokrat stand er aber, ein treuer Anhänger dieser Schule, dem Handel, der als unproduktiv und steril betrachtet wurde, soweit dies möglich war ablehnend gegenüber. Daher ist sein Bestreben, die Juden Mährens von diesem Erwerbszweig abzuwenden, vollauf erklärlich. Wir verstehen also die Beweggründe, die im 18. Jahrhundert richtunggebend waren, aus den nur handeltreibenden Juden Handwerker und Ackerbauer zu machen. Wir können es aber schwer verstehen, daß 16 10

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