Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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ist für die neuere Zeit so gut wie überhaupt nicht bearbeitet und das reichhaltige Gebiet der Sozial- und Wirts-chaftsgeschiehte liegt völlig brach. Dürftig sind die Ergebnisse kritikloser Zusammenstellungen, über denen als Motto ein Satz Gerson Wolfs zu schweben scheint, der besagt: „Doch wollen wir hier nicht weiter die Motive untersuchen^ sondern bloß die Thatsachen constatieren."18 Was Wunder, wenn sieh dann dem vorurteilslosen Betrachter heimischer Geschichtsschreibung vor Begründung der „Historischen Gesellschaft" der mit gewissen Einschränkungen gültige Spruch geradezu aufdrängt: „Hat die Teile in ihrer Hand, fehlt leider nur das geistige Band." Was Wunder, daß Dubnow noch 1928 über den Mangel an brauchbarer Literatur für die jüdische Geschichte gerade über die „jüdischeisten" Provinzen Österreichs, wie er sagt, in die Klage ausbricht: „Am trostlosesten ist es um Böhmen und Mähren bestellt."1* Das Stadium des Mangels an brauchbaren Arbeiten £ur allgemeinen Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei ist seit Errichtung der „Historischen Gesellschaft" (1928) allmählich im Schwinden begriffen.20 Sie ist heute das Zentrum ernster, kritischer und systematischer Arbeit für den Großteil der seinerzeit „jüdischesten" Provinzen Österreich- Ungarns. Immer noch liegt aber das vielleicht wichtigste, sicherlich jedoch ergiebigste Gebiet heimischer Geschichte brach: die Wirtschaftsgeschichte. So dürftig sind heute unsere Kenntnisse auf diesem Felde, daß der 1931 erschienene VIH. Band der „Encyelopaedia Judaica" in seinem wohlinformierten Artikel „Handel" über den mährischen Judenhandel außer der Tatsache des Besuches der Leipziger Messen gar nichts, über den b ö h m i s c h e n, von derselben Tatsache abgesehen, noch aus dem 10. Jahrhundert zu berichten weiß, daß Prag einer der Ausgangspunkte für Handelsfaihrten nach Kiew war.21 Das ist alles— und wie zugegeben werden muß: recht wenig! 12 6