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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1932-01-01 · 4 (1932) · page 5

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
4 (1932)
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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IRI
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lungsprozeß des geistigen Lebens des jüdischen Volkes.2 Ihren bedeutendsten Repräsentanten findet diese erste Periode in Graetz. Er vertritt „eine ausschließlich nationale Geschichtstheorie, die sogar die wichtigsten Zusammenhänge mit der Weltgeschichte zu übersehen geneigt ist". Nach seiner eigenen Meinungsäußerung stellt sich ihm die Geschichte der Juden in der Diaspora fast ausschließlich als „eine Leidens- und Gelehrtengeschichte" dar. Ein Eingehen auf die Wirtschaftsgeschichte war dtaher gar nicht, auf die soziale nur wenig möglich.3 Allmählich entfernte sich die jüdische Historiographie von der Konstruktion und gelangte zur Erkenntnis der geschichtlichen Tatsachen. An Stelle der chronikartigen Aneinanderreihung historischer Ereignisse trat die soziologische Betrachtungsweise. Die Phase der vorherrschend ideengeschichtlich orientierten Theorien wurde überwunden. Dubnow ist der Vertreter dieser zweiten Periode jüdischer Geschichtsschreibung. Obwohl auch er anfangs (1893) noch unter dem Einfluß von Graetz jüdische Geschichte in der Hauptsache als eine Geschichte des jüdischen Geistes auffaßte, versuchte er später (1910—1914) auch soziale und wirtschaftliche Fragen mit einzubeziehen.4 Als Begründer einer „national-autonomistischen Auffassung" 5 gilt ihm der Autonomismus als die eigentliche Triebkraft der jüdischen Geschichte. Obwohl die Betrachtungsweise dieser durch Dubnow repräsentierten Periode jüdischer Geschichtsschreibung einen gewaltigen Fortschritt gegenüber der ersten, durch Graetz vertretenen bedeutete, wurde sie noch nicht den Forderungen moderner Geschichtsforschung gerecht. Zu Beginn unseres Jahrhunderts formulierte Eugen Täubler für die Geschichte der Juden in Deutschland jenen bedeutsamen Grundsatz, der, in seiner Konsequenz verfolgt, wohl die letzte und zum Ziele führende Richtung inaugurierte. Von der allgemeinen Historiographie kommend, fordert Täubler, daß die Geschichte der Juden in Deutschland, soweit soziale, rechtliche und wirtschaftliche Momente in Frage kommen, einen Teil der allgemeinen deutschen Geschichte bilde. Zum Unterschiede von den meisten jüdischen Historikern des 19. Jahrhunderts, deren Einstellung und Methoden oben bereits gekennzeichnet wurden, sollen nunmehr die Methoden der allgemeinen Geschichtsf orschung und -Darstellung auf die jüdische Geschichte angewandt werden. Es sollen die tieferen Zusammenhänge der historischen Geschehnisse und die Wechselbeziehungen mit der ni<eht j üdischen Umwelt erforscht werden.6 Von der Erkenntnis ausgehend, daß sich die Gültigkeit dieser Theorie nicht nur auf Deutschland erstrecke, unterzog B. Dünaburg das Werk Dubnows einer Kritik und fordert, auf den Anschauungen Täuble-rs fußend, gleich ihm, daß für die staatenlose Zeit, also für 8 2

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