Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 427)
- Language
- German
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dauerhafter Modestoffe erst die Massenherstellung billiger Kleider möglich machte, so hat sie auch die Grundlage des mächtigen Aufschwungs, den die Brünner Tuchindustrie mit Beginn der Vierziger Jahre genommen hatte, geschaffen132). Diese Tendenz, billigste Stoffe aus leichtem Material zu arbeiten, erreichte um das Jahr 1851 ihren Höhepunkt, als wiederum ein einzelner Brünner Fabrikant mit der Erzeugung von Massenartikeln aus Wollsurrogaten (Mungo, Shoddy) -einsetzte. Jetzt erst begann die Herstellung brauchbarer Massenartikel133), die Mayer Mandl zur Erzeugung der von ihm exportierten Kleider verwendete. Mit ihnen verdrängte er die nicht nur in Österreich, sondern auch in Ungarn und den Balkanländern übliche Nationaltracht, die auf dem Lande bis dahin ganz allgemein getragen wurde. Dieser Entwicklung kam auch der Umstand zu Hilfe, daß die Brünner Märkte, die die stattliche Zahl von* stehen erreicht hatten, immer mehr den Charakter der üblichen Jahrmärkte, auf denen der Detailverkauf vorherrschte, abstreiften;, und Messecharakter annahmen134). Besonders für Textilwaren bildeten diese Brünner Messen das Zentrum der Monarchie135). Auf diesen Textilmessen hatte Mayer Mandl nun Gelegenheit, seinen großen Bedarf an billigsten Stoffen zu decken, aber auch seine Kleider in großen Quantitäten an Zwischenverkäufer der ganzen Monarchie, aus Galizien und Ungarn, selbst aus der Türkei abzusetzen. Es waren nicht mehr Trödler allein, die für die Verbreitung seiner Waren in Betracht kamen, sondern im Gebiete der Monarchie sogen. „Gemischtwarenhändler", denn nach einer Hofentscheidung aus dem Jahre 1819 bekamen Wiener Kaufleute das Recht, nach Anmeldung einer „Gemischtwarenhandlung44 Läden mit neuen Kleidern zu führen136). Im Jahre 1842 wurde das gleiche Recht auch Händlern der Provinz zugestanden. Allenthalben entstanden nun derartige Handlungen, die aber ausschließlich Kleider als Handelsartikel führten. Immer weiteren Absatz fanden die Mandlschen Kleider; längst hatte er die Grenzen Mährens überschritten und die Absatzgebiete der Preßburger Kleiderhändler erobert, die nicht nur Ungarn, sondern auch die Donaufürstentümer137), sowie den übrigen Balkan mit neuen, aber sehr primitiven Kleidungsstücken versorgt hatten. Durch das Material und die ihm zu Gebote stehende gute und sehr billige Arbeitskraft war es ihm in überraschend kurzer Zeit gelungen, ihre Konkurrenz zu besiegen und allein diesen weiten und nach ..europäischer Kleidung44 hungrigen Konsumentenkreis an sich zu reißen. Hiebei kam ihm noch der Umstand zu Gute, das 1851 der bis dahin bestandene Grenzzoll gegen Ungarn in Wegfall kam138); die Ausfuhr fertiger Kleidung wurde dadurch, erleichtert, daß kein Zoll gezahlt werden mußte, während die Einfuhr fertiger Kleidung in die Monarchie verboten und nur ausnahmsweise 423