Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 425)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2644300-2644305--1431-2645774- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
gegangenen Revolution im Lande und der andauernden Kämpfe in Ungarn, zu „tumultarischen Auftritten", die sich speziell gegen die Judenschaft richteten, umsomehr, als sich gegen diese „die ohnehin schon bestandene gereitzte Stimmung" vor gar nicht langer Zeit entladen hatte und damals (1848) nur durch Militärassistenz unterdrückt werden konnte. An den andauernden Unruhen, die bei der Verhaftung der beiden Mandl neuerlich ausgebrochen waren, beteiligten sich auch die Nationalgardisten, so daß sich Zivil- und Militärbehörden zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe verbünden mußten; auch die Zunftvorsteher werden angewiesen, auf die unter ihrem Einfluß stehenden Lehrlinge und Gesellen einzuwirken, die Ruhe nicht zu stören. Immer neuen Anreiz zu den Unruhen gibt das versperrte und versiegelte Niederlagsdepot Mandls, das unter Schutz eines Militärpostens stand; dort kam es auch zu Zwischenfällen, die leicht zu bedauerlichen Folgen hätten führen können128). Selbst die Stadthauptmannschaft von Wien wurde zur Auskunfterteilung in der Angelegenheit der angeblichen Militärlieferungen Mandls an die ungarischen Insurgenten herangezogen. Die Untersuchung, die beinahe einen vollen Monat in Proßnitz geführt worden war, kam allem Anscheine nach nicht zur Bestätigung der erhobenen Anschuldigung. Der große Exporthandel, der von Mandl betrieben wurde, bestand als Tatsache, nicht aber der Zweck der erhöhten Tätigkeit gerade in diesem Jahre. Nachdem keine Zusammenhänge zwischen Mandl und den ungarischen Insurgenten festgestellt werden konnten, wurde Mayer (Moritz) nach beinahe vierwöchentlicher Haft entlassen, sein- Vater mußte noch zwei Wochen auf ein Dekret des Appeltations- und Kriminal-Obergerichts in Brünn warten, das, da „keine rechtliche Beanzeigung eines Verbrechens" erfolgte, die sofortige Enthaftung anordnete129). Für unsere Untersuchung ist es aber vor allem wichtig, die Größe zu ersehen, die das Mandl'sche Unternehmen, in dem allem Anscheine nach der Vater noch eine große Rolle spielte, in so überaus kurzer Zeit erlangt hatte. 1843 hatte Mayer Mandl erst um die Kleinhandelsbefugnis für alte und neue Kleider, zu Beginn des Jahres 1849 um diejenige für neue Kleider eingereicht und im Juli desselben Jahres beschäftigt er bereits an 100 Schneider aller Landzünfte, sowie Pfuscher auf dem Lande und in der Stadt. So sehr waren diese mit Arbeit überhäuft, daß sie den Anforderungen, für die Militär-Ökonomie-Kommissionen Arbeiten zu übernehmen, nicht nachkommen wollten. „Mehrere Juden", die, wie sich bei der Untersuchung herausstellte, in seinen Diensten standen, versorgten all die Schneider mit Baumwollstoffen für Röcke, Hosen und Westen, aus Tuch wurden Militärmäntel (!), aus Leinwand Militärhemden gearbeitet. In einem Bürgerhause der Stadt 421