Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 419)
- Language
- German
- Belongs to
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…/2644300-2644305--1425-2645768- Visual Library
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f 16 Ballen derley unbrauchbare Montursabfälle gerichtlich signiren und einstweilen bis auf weitere Weisung ob der Stadt Waage mit dem Auftrage deponieren zu lassen, ohne neuerlicher gerichtlicher Weisung an niemanden hie von etwas erfolgen zu lassen." Nachdem auf eine Anfrage dieser Untersuchungskommission bei der Brünner Polizeidirektion die Weisung erfolgte, den Inhalt der Ballen zu untersuchen und ein Gesuch Lazar Schreibers an den Landes-Gubernator um Entsieglung der Niederlagsgewölbe abschlägig beschieden wurde, ging man an die Aufnahme und Beschreibung der gerichtlich deponierten Ballen. Bei dieser Untersuchung stellte es sich heraus, daß sich „unter unbrauchbaren auch gute und neue Stücke" befanden. Das Aufnahmsprotokoll ist für die ganze Art des Betriebes dieses Handlungszweiges überaus aufschlußreich; es lautet: „Die gerichtlich eröffneten Ballen entkalten: 85 Stück iceiße von brauchbahren aus militärischen von der Oeconomie zertrennten Röcke, nach Bauernart zusammengesetzte Mäntel mit Inbegriff des eingesendeten. 99 Stück graue von Hallina Tuch und aus mehreren derley gleichfärbigen Stücken auf obige Art zusammengesetzte Mäntel mit Inbegriff des eingesendeten. 5 Stück blaue Mäntl nach Bauernart von gefärbten Hallina Tuch. 85 Stück graue Hallina Tuch zu Sommerdecken und Pferdkotzen geeignet ohne Oeconomiezeichen. 8 Stück blaue dto...........dto. gefärbte. 776 paar ganz brauchbare, jedoch durch die Länge der Zeit stark verrostete Steigbügeln von verschiedenen Formen. 1502 Stück ganz brauchbare Mundgebüß mit obiger Beschaffenheit meistens mit Kühnketten versehen, über 2 Zentner meistens Fuhrwesens Trenzen ganz verrostet. 168 Zentner weiße abgetragene zerstückelte theils Cavallerie theils W achtmänteln, wovon aus denen Theilen brauchbahre Bauernmänteln,, wie erstere von dem Juden verfertiget worden'' Die Waren wurden also von einem in Stockerau ansässigen Juden Schlesinger, der wahrscheinlich gute Beziehungen zur Ökonomieleitung unterhielt, erkauft, zum Teil gleich am Orte von Flickschneidern auf Bauernmäntel umgearbeitet und mit grauen, blauen und gefärbten Tuchen zu wiederholten Malen an die großen Montur-Trödler des Proßnitzer und wahrscheinlich auch anderer Ghetti versendet. Dort wurden, wenn nicht gerade Anzeigen unterliefen, die noch nicht verarbeiteten Tuche von jüdischen oder christlichen Schneidern auf dieselbe Weise zu Bauernmänteln verarbeitet. Ganz erkleckliche Vorräte sammelten sich auf solche Art in den Depots dieser großen Altkleiderhändler an, aus denen wiederum die Bestände der kleineren Trödler gedeckt wurden. 415