Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 418)
- Language
- German
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tracte hintan zu geben. Der Contract kann auf ein Jahr oder auf zwey, höchstens drey Jahre errichtet werden, und ist mit der gehörigen Caution versehen, unter Zulegung des Licitations-Protocolls zur Ratification einzusenden44103). Die hofkriegsrätliche Verordnung spricht nur von Abfällen und alten ganz unbrauchbaren Montursorten; nur diese durften versteigert werden. Selbstverständlich blieb aber die Nachfrage nach Monturstücken, die sich noch in besserem Zustande befanden, aufrecht, und zwar in recht erheblichem Maße. Tatsächlich scheint es auch in diesem Jahrhundert (ebenso, wie im vergangenen) öfter zu Abverkäufen guter Uniformen gekommen zu sein, denn wieder werden in kurzen Intervallen die Verbote „Militär-Montours-Stücke zu kaufen, zu verkaufen oder einzutauschen44 dringlich publiziert (1808104), 1815105) und 1816104). All die Verbote fruchteten nichts. So fand man 1820 anläßlich eines Jahrmarktes in Proßnitz in einem Gasthanse zwei große Ballen alter Kleider, die, wie sich später anläßlich der eingeleiteten Untersuchung herausstellte, einem Nikolsburger jüdischen Trödler und einem jüdischen Schneider aus N-eu-Raußnitz gehörten, die regelmäßig zu den Proßnitzer Jahrmärkten kamen, um hier ihre Vorräte an alten Kleidern aufzufrischen. Diesen Ballen, die im Einkauf je 116 fl. W. W. kosteten, . waren auch einige alte und neue Militärmäntel beigepackt, derentwegen eine amtliche Untersuchung eingeleitet wurde106). In demselben Jahre ereignete sich im Proßnitzer Ghetto eine Begebenheit, die uns aufschlußreichen Einblick in diese interessante Handelsart gestattet. Lazar Schreiber, ein Proßnitzer Trödler, der sich auf den Handel mit Monturstücken, wie auch andere, spezialisiert hatte, besaß im Ghetto ein Verkaufsgewölbe und in einem Stadt- * bürgerhaus ein großes Niederlagsdepot. Im Juli des Jahres 1820 machen seine Söhne Ascher und Jakob die Anzeige „wegen neuerlicher Anlangung zweyer Wagen mit unbrauchbaren Oeconomie Abfällen auf Rechnung ihres Vaters Lazar Schreiber44107). „Die beiden Gebrüder Ascher und Jakob Schreiber tragen gerichtlich vor, es seyen zwei Wagen mit mehreren Ballen unbrauchbaren Abfallen, aus der Stockerauer Oeconomie und insbesondere aus dem Depot des Schlesingers von Stockerau heute und zwar gegenvmrtig, und auf Rechnung ihres Vaters hierorts angelangt" „Sie machen dießfalls pflichtschuldige Anzeige um die bey der Commission eingeleitete Versieglung und gerichtliche Sperre der Niederlagsgewölber ihres Vaters mit diesen neu angelangten unbrauchbaren Öconomie Artikeln sicherlich treffen zu können." „Von Seite des Gerichts fand man sich veranlaßt mit dem hiesigen löblichen Regiments Commando persönliche Rücksprache zu pflegen, und nacih Zutheilung des Herrn Leut. Liebings als Commisar nach getroffenen gemeinschaft. Einverständniß die beiden Wagen abladen, die darauf verwahrt gefundenen 414