Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 416)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2644300-2644305--1422-2645765- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
kurrenz und bittet 1856, wie wir bereits wissen, das Bezirksamt, sowie der Gemeinderat möge, „was möglich ist, schützen"95). Der Sieg des Kapitals war vollkommen, „die Neue Kleider (werden) aus den Judenkramln angekauft"95), in großen Mengen erzeugt und auf Märkte gebracht. Der Handel mit neuen Kleidern nahm immer weitere und breitere Formen an98), aber er war doch nur ein wenn auch blühender Markthandel, die Vorräte waren nicht groß und wurden je nach der Ergiebigkeit eines Jahrmarktes ergänzt oder nicht, mit einem Wort: die zielbewußte Organisation der Erzeugung und des Verkaufs fehlte noch, die mußte erst geschaffen werden. Neben dem Handel mit neuen Kleidern wurde, ebenso wie auch in früheren Jahrhunderten, ein lebhafter Handel mit alten Kleidern getrieben. Noch waren die neuen Kleidungsstücke nicht billig genug, daß sie es vermocht hätten, die Konkurrenz der alten auszuschalten. Und selbst wenn sie es gekonnt hätten, wäre der Vorrat an neuen Kleidern noch nicht groß genug gewesen, um all jene Konsumentenschichten, die ihre Kleider ausschließlich beim Trödler kauften, zu befriedigen. Es war noch nicht gelungen, die Erzeugung neuer Kleider in großem oder auch nur größerem Maßstabe zu organisieren. Der Altkleiderhandel war nach wie vor ein florierender Handelszweig und der Trödler aus dem Ghetto nicht wegzudenken. Eine Stärkung seiner Position bedeutete es, als ihm 1814 das Recht bestätigt wurde, mit seinen alten Kleidern auch alle Jahrmärkte zu besuchen97). Proßnitzer und andere jüdische Hausierer kauften auf dem Lande und in den Städten alte Kleidungen, Leinwanden usw.98) auf, setzten sie an die Trödler der Ghetti, die über Ilandelsgewölbe verfügten, ab, diese besuchten Märkte, ergänzten gegenseitig ihre Bestände an alten Kleidungen, besonders an ledernen Hosen, die auch in gebrauchtem Zustand viel gefragt waren, und verkauften sie an arme Bewohner der Städte und des Landes. So kamen Trödler aus Nikolsburg zu den Märkton nach Proßnitz und kauften von den Proßnitzer Altkleiderhändlern „Hirsch lederne Beinkleider, die zwar gut, aber nicht neu waren, um 23 oder 24 fl."99). Proßnitzer jüdische Handschuhmacher verkaufen auf den Märkten der Stadt oder auf denen von Olmütz an Nikolsburger und Trödler anderer mährischer Ghetti „a 11 - lederne Beinkleide r", „lange aufgeriebene Zackelbeinkleider für erwachsene Personen, das Stück zu 12 fl. W. W."99) und viele andere Kleidungsstücke. (Bezeichnenderweise werden von den Behörden wohl die Altkleiderhändler immer mit ihrem richtigen Namen genannt, jüdische Schneider aber regelmäßig jüdischen Kleiderhändlern gleich- 412